16.05. Yeoncheon

Im Schnarcherzimmer kann zwar einer ab 4.00 Morgens nicht mehr schlafen, hat aber das beruhigende Gefühl, dass sich über ihn später auch niemand beschweren wird.
Der Landrat des Landkreises Yeoncheon lädt uns nicht nur zum Abendessen, sondern auch zum Frühstück am nächsten Morgen ein. Was gibt es?
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Klar:
Spiegeleier mit Pommes und Ketchup, gebratenem Speck und ein Brötchenlein mit  Butter und Marmelade. Die Gastgeber springen über ihren Schatten. Als Extraservice wird ein kleiner Becher Kaffee serviert (seltsame Gewohnheiten haben diese Deutschen). Für Hartnäckige gibts auch Milch und Zucker.
Diese Gastfreundschaft müssen wir bei einem Gegenbesuch erst mal hinkriegen.
Im Landratsamt angekommen trifft alle erst einmal der Schlag: Nicht nur ein Riesentransparent prangt über der Eingangstür, auch die überdimensionale elektronische Laufschrift heißt uns dort toll animiert willkommen.
Die Begrüßung steht zunächst im Zeichen eines ganz wichtigen Aktes, dem Austausch von Visitenkarten. Vorsitzender, Chorleiter, Pianistin und weitere Funktionsträger bekommen eine und revanchieren sich genauso.
In der Aula des Landratsamtes heißt uns wieder ein Banner willkommen, flankiert durch die deutsche und koreanische Flagge.

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Während des Empfangs werden Tee und Gebäck serviert.
Sowohl vom Vorsitzenden der Vereins, als auch vom Landrat werden die Übereinstimmungen der Landkreise herausgestellt und es wird deutlich, dass die Gastgeber viel vom Landkreis Hof profitieren möchten: Für sie ist unser Konzert eines zur „Wiedervereinigung Koreas“.
Der Vorsitzende des Landkreises Yeoncheon lädt den Chor danach zu einem koreanischen Mittagessen mit viel Reis, scharfen Spezialitäten und koreanischem Bier ein.
Etliche Kreistagsmitglieder geben sich die Ehre, wir bekommen einen Grundkurs in Benutzung von Stäbchen und das Versprechen, dass sie alle beim Konzert dabei sein werden.

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Auch zu diesem Anlass werden verschiedene Gastgeschenke wie Schals, CDs, Handtücher und Bierkrüge überreicht, sowie Bücher mit Karikaturen eines Tenors des Chors, Alois Kuhn, von ihm selbst überreicht, derentwegen er in der DDR im Gefängnis war.
Schließlich bekommen wir buchstäblich die Trennung zwischen Nord- und Südkorea zu Gesicht.
Wir besuchen ein militärisches Observatorium, in der sog. DMZ (Demilitarisierte Zone), zwischen Yeoncheon und Nordkorea, die einzigartig in der Welt gleichzeitig die höchste Konzentration von Waffen in der Welt aufweist. Wir können weit nach Nordkorea schauen.

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Fast wäre dies, bis auf das Abendessen (auf Einladung des Landrats) und das erste 1stündige Ansingen am Abend, alles gewesen, wenn nicht schon wieder unser Vorsitzender, Klaus Stöcker, Opfer des Schicksals geworden wäre. Am Ankunftstag blieb (und bleibt) sein Koffer verschollen. Dann bittet er um Mithilfe nach der Suche seines verschwundenen Vereinssweatshirts: „Bitte bedenkt, dass es sich um 25% meiner Bekleidung handelt!“ Als er, zusammen mit anderen, mit einer Kreditkarte vergeblich Bargeld aus einem Geldautomaten ziehen will, bleibt seine als einzige drin.
Aber die Laune, und nicht nur beim Klaus, ist hervorragend!

Von Hermann Reichel

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