21.05. Gosong – Andong – Busan

Sa 21.05. Gosong – Andong – Busan
Heute ist Halbzeit. Wir sind neun Stunden im Bus unterwegs, ca. 500 km Luftlinie von Goseong im Norden bis nach Busan im Süden der südkoreanischen Halbinsel.
Eine Gelegenheit etwas zur Ruhe zu kommen und zu resümieren.
„Ihr vertretet Deutschland in Korea“. Mit diesen gewichtigen Worten hatte uns MdB Hartmut Koschyk auf diese Reise eingestimmt. Mittlerweile haben wir erlebt, wie sehr dies zutrifft. Unsere bisherigen Gastgeber waren sehr bewegt davon, dass wir aus dem ehemaligen innerdeutschen Grenzland kommen. Wir verkörpern für sie die Vision eines wiedervereinigten Landes. Freie Bürger aus dem ehemaligen Ost- und Westdeutschland singen zusammen in einem Chor. Dazu bringen wir die Wertschätzung unseren Gastgebern gegenüber zum Ausdruck durch zwei sehr beliebte koreanische Volkslieder. Tief berührt davon, sagte der Landrat von Goseong gestern am Ende des Festbanketts: „Wir haben jetzt eine besondere Beziehung zueinander“ – für einen Koreaner ein Ausdruck verbindlicher Freundschaft.
Hoffentlich werden die Landräte Hermann Hübner und Dr. Oliver Bär, deren Grüße wir überbrachten, eine angemessene Form finden dies weiter zu führen!
Wir dagegen waren betroffen von dem, was wir im DMZ-Museum zu sehen bekamen. Die Gräben zwischen Süd- und Nordkorea sind viel tiefer als bei uns damals.
Der Landrat von Yeoncheon, Yoon Seung-Keun, hatte uns erzählt, er sei mit sechs Jahren aus Nordkorea über die Grenze gekommen. Was aus seinen Eltern und seiner Familie geworden ist, wisse er nicht. Ob sie noch leben? Uns wurde bewusst, wie sehr sich Nordkorea abgeschottet hat. Selbst die Grenze auf der anderen Seite nach China wird immer unüberwindbarer. Bei uns gab es zu DDR-Zeiten wenigstens Besuche und Kontakte, wie zu unserem Partnerchor in Hohenleuben.
Bei diesen Eindrücken erinnern wir uns an eine Station im DMZ-Museum. Dort hatten wir – Jung und Alt – gern das Angebot wahrgenommen, Papierblüten mit Friedenswünschen zu beschriften. Tausende waren bereits in dicken Trauben an Gitterwänden und Bäumen befestigt. Eine gute Gelegenheit unser Mitgefühl mit unseren koreanischen Freunden auszudrücken. Mögen diese Wünsche in Erfüllung gehen!
Unsere Fahrt entlang der südkoreanischen Ostküste gab uns einen Einblick in reizvolle Landschaften: bewaldete mittelgebirgsähnliche Hügel, in den Tälern endlose Reisfelder.
Nachdem sich unterwegs der Hunger wieder meldete, versuchte unser Kassierer Thiemo die Möglichkeit eines schnellen Mittagessens auszuloten. In frankonian English klang das dann so: „It´s better we are going to a snackbar – lunchmäßig!“ Jedenfalls bekam er die Information, die er brauchte.
Unsere Mittagspause fand im malerischen Dorf Hahoe in Andong statt. Wir besichtigten das 600 Jahre alte Dorf, das rundherum von einem Fluss umgeben ist.
Hier wird die konfuzianische Kultur erhalten. Sichtbar ist das vor allem an den gut erhaltenen traditionellen Gebäuden. Nicht umsonst gehört Hahoe zum Unesco Weltkulturerbe.
Auf der Weiterfahrt fiel uns auf, welche Extreme in Südkorea aufeinander treffen: Städte mit eher traditioneller Bauweise, die gut in die koreanische Landschaft passen. Dann wieder Großstädte mit eintönigen Betonhochhäusern. Dies spiegelt auch die Spannung wider, in der sich die koreanische Gesellschaft befindet: zwischen traditionellen Werten und dem Worldwideweb-Zeitalter. Wir bekamen das zu spüren, als wir Postkarten in Goseong kaufen wollten. Es gab keine. Hier wird per Email oder Whatsapp kommuniziert.
Der erste Blick auf Busan, die zweitgrößte Stadt Koreas, verstärkt diesen Eindruck. Die fünf Millionen Metropole grüßt uns von weitem – mit den Hochhäusern hässlicher Trabantenstädte in einer wunderschönen Landschaft und Verkehrsstaus.

 

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