Geschichte


DAMALS

Gegründet wurde der Gesangverein im Jahre St. Georgskirche Streitau1862 um „das in manchem braven Streitauer Manne und Jüngling schlummernde Talent des Gesangs zu wecken, zu nähren und zu pflegen.“

Die Gründungsväter mit Fabrikant Johann Köhler an der Spitze waren vorausschauend genug, bereits in ihren Anfangsstatuten über ein mögliches Ende nachzudenken: „Wenn länger als vier Wochen die Zahl der Sänger unter der Zahl acht liegt, haben die Verbliebenen die Auflösung der Gesellschaft zu erklären“ (§ 23). Ein solch unrühmliches Ende hätte den Verein tatsächlich längst ereilt, wenn, ja wenn die Frauen nicht wären! Dazu später mehr. Im ersten Vereinsjahr zählte der Chor bereits 34 gestandene Männer, von Beruf meist Weber und Ökonome.

Ihr erster Dirigent, der Lehrer Gottlieb Hagen, hat zunächst noch jeden Interessenten in seinen Chor aufgenommen. Doch bereits im November 1865 wurde ausgesiebt. Nur noch die besten 16 Männer durften aktiv singen. Durch geheime Abstimmung wurden die Überzähligen ausgemustert und zu Reservisten erklärt. Einzig die beiden Musikanten Fick und Märterer waren „als wirklich Aktive“ von der Abstimmung ausgenommen.

Foto von Ben NicolausIn der Folgezeit hielten viele Vorstände, Chorleiter und Sänger die Tradition mit Tatkraft und Idealismus aufrecht. Im Jahre 1937 taucht zum ersten Mal der Name Hans Mattes auf. Am 5. Dezember wurde er in die erweiterte Vorstandschaft gewählt. Lange Jahre hatte er sich als Theaterleiter und Zitherspieler ausgezeichnet, ehe er 1958 die Vereinsführung übernahm. Seine Ära dauerte 41 Jahre!

Mit Josef Beege begann nach dem 2. Weltkrieg eine neue Zeitrechnung für den Verein und für Streitau. Er kam 1945 und entpuppte sich als Lehrer, Organist, Chorleiter und Chronist schnell als eine unübersehbare und bestimmende Persönlichkeit im Dorf. Der Gesangverein ersang sich unter diesen beiden Idealisten Preise und Auszeichnungen noch und noch. Im Singstüberl des Vereinslokals Nüssel zeugen die vielen Pokale und Urkunden von der jahrzehntelangen Blütezeit des Männerchores. Durchweg gaben die Wertungsrichter Höchstnoten für Rhythmik, Dynamik, Phrasierung, Chorklang und Schwierigkeitsgrad. Unter der Hand sind heutzutage aber auch weniger schmeichelhafte Stimmen zum Schaffen des allgegenwärtigen Josef Beege zu hören, beispielsweise: „Weil ich in der Schule von ihm zum Singen gezwungen wurde, bin ich nicht in den Gesangverein eingetreten“.

Vielleicht liegt hier die Erklärung, dass seit 1984 kein neuer männlicher Sänger mehr zum Chor gestoßen ist. Einen nachahmenswerten Weg, um Menschen auch über die Grenzen hinweg zusammenzuführen, beschritt der Verein im Jahre 1953, als er zu seinem Chorfest neben den Vereinen aus Schlegel, Stammbach und Gefrees auch Hohenleuben aus der damaligen Ostzone einlud. Beim Gegenbesuch, der im Jahre 1955 noch möglich war, gab der dortige Chorleiter Herbert Eckner den Streitauern den Wunsch mit auf den Weg, dass durch die gemeinsame Pflege des deutschen Liedes die Wiedervereinigung beschleunigt werde. 34 Jahre später erst war es soweit. Wenige Tage nach der Grenzöffnung im November 1989 tauchten die Thüringer Sänger mit ihren Trabis spontan in Streitau auf. Seither floriert die Freundschaft wieder bestens.

Seit 1965 besteht im Gesangverein ein gemischter Chor. Die Frauen haben den Streitauern das Überleben gesichert. Vom einstigen stolzen Männerchor sind noch drei Sänger übrig. Sie drängten nie ins erste Glied und sind dennoch bis zum heutigen Tag unverzichtbar für den Verein: Werner Seuß, Eberhard Eckner und Ludwig Benker. „Wart amol, ich ruf schnell den Eberhard an“ ist der gängige Ausweg, wenn es mal wieder wo zwickt.

Foto von Christine Faust

In der Nachfolge von Josef Beege haben sich Herbert Rank, Dr. Chae Heung Lim und dessen Nichte Boo-Young Lim um den Chor verdient gemacht. Von 2008 bis 2012 war Olga Moos Chorleiterin.

DIE NEUE ZEIT

Nach ihrem Wegzug übernahm Kai Konrad, Opernsänger und Dirigent, der kurze Zeit zuvor nach Streitau gezogen war, diese Aufgabe.

Er gründete sogleich einen Jugendchor, dem mittlerweile 18 Sänger zwischen 8 und 14 Jahren angehören. Der Gesangverein Streitau wurde daraufhin zu einem Mehrspartenverein umfunktioniert und besteht nun aus einem gemischten Chor, einem Jugendchor und einem Kinderchor. Das erste Highlight nach Übernahme des Vereins durch Kai Konrad war ein großes Weihnachtskonzert mit internationalen Weihnachtsliedern. Dies war auch Foto von Ben Nicolausdie Premiere des Jugendchores, der u. a. mit einem Choral von John Rutter brillierte.

Auch das Miteinander mit anderen Chören ist Kai Konrad wichtig. So entstanden in kurzer Zeit Kooperationen mit dem Männergesangverein Stammbach, mit dem zusammen ein Konzert mit Literatur aus der Romantik und dem Kirchenchor Stammbach, mit dem die Bach Kantate „Wachet auf, ruft uns die Stimme“ erarbeitet wurde. Dort kam auch der Jugendchor Streitau wieder zum Einsatz kam.

Maria Wöhrle war seit 1999 Vereinsvorsitzende. Sie führt seit 2004 Singstunden für Kinder bis zu 6 Jahren durch. Jetzt hat das Amt des Vorstandsvorsitzenden kommisarisch Klaus Stöcker bis zur nächsten Wahl im Februar 2016 übernommen.

Mittlerweile ist das Vereinsleben gefüllt mit besonderen Konzerten in der Weihnachtszeit und in jedem Jahr, Anfang Oktober, gibt es eine Themennacht. Nach einer Heurigennacht 2013, gab es 2014 eine Ungarische Nacht, 2015 eine italienische. Die Publikumsschar wurde seither immer größer, sodass wir 2016 und 2017 jeweils zwei Vorstellungen der Französischen und Griechischen Nächte spielten, 2018 wurden die Spanischen Nächte gleich dreimal aufgeführt.

Ebenso ist der Chor seither fast jedes Jahr einmal unterwegs auf Konzertreise.

2015 folgten wir einer Einladung zum „Festival Internazionale Corale Verona Garda Estate“ nach Italien, 2016 ging unsere zweite Konzertreise nach Südkorea.

 

Es waren großartige Konzerte in Yeoncheon, Goseong, Busan und Seoul und für alle ein Riesenerlebnis. Die Konzertsäle waren mit 500 – 800 Zuschauern alle ausverkauft,  in Seoul lauschten unserem eineinalb stündigem Programm sage und schreibe 2500 Zuhörer. Es war ein wundervolles Erlebnis.

2017 waren wir zu Gast im Burgenland/Österreich, wo wir in den Genuss kamen, in der Haydn-Kirche (Josef Haydns letzte Ruhestätte) in Eisenstadt zu singen. Ebenso gastierten wir in Köszeg/Ungarn in der Herz Jesu Kirche und in der Wallfahrtskapelle Maria Schutz in der buckiligen Welt.

2019 werden wir für zwei Konzerte in Schwaben zu Gast sein, genauer, an der oberschwäbischen Barockstrasse in der Nähe von Biberach.

2020 soll es wieder eine große Konzertreise geben, sie zieht uns wieder nach Asien, mit Ziel: Japan. Hier sind Konzerte in Kumamotu, Hiroshima, Nagano und Tokio geplant. Wir wollen hoffen, dass wir hierfür die finanziellen Mittel auftreiben können, damit diese Reise Zustande kommen kann.