Korea

20.05. Goseong

Fr 20.05. Goseong
Heute Nachmittag fand unser zweites Konzert in Korea statt.
Um 5.30 schienen sich die ersten Gäste des Hauses ihr Frühstück zu machen. Es war ein Geschnatter und Geklapper zu hören. Zum Glück waren die Vorhänge zugezogen, so war es im Zimmer noch dunkel und wir konnten weiter schlafen.
Um 7. 30 Uhr hieß es doch raus aus dem Bett und ab ins Bad. Die Abfahrt des Busses war für 8.30 Uhr geplant.
Alle stiegen gut gelaunt und motiviert in den Bus. Wir konnten heute mit nur 2 Minuten Verspätung losfahren- wir werden immer besser.
Am Kulturhaus des Landratsamtes Goseong angekommen, mussten wir uns auf einen völlig anderen Raum einstellen. Während der erste Saal in Yeoncheon  groß und mit einer hervorragenden Akustik ausgestattet war, fanden wir nun einen eher seichten Raum mit einer sehr trockenen Akustik vor. Unser Chorleiter Kai Konrad schwor uns intensiv auf diese Bedingungen ein. Permament erklangen Kommandos wie „Linie“, „Vokaaaale lang ziehen“ und „binden, binden, binden“.
Nach 1 1/2 Stunden fuhren wir für eine kurze Umziehpause ins Hotel zurück.
Der Bus sollte um 12.15 Uhr abfahren, jedoch fehlte unser Senior Hans. Nach 10 minütiger Verspätung empfingen wir ihn mit dem Lied:“ Heut kommt der Hans zu mir“.
Dies wurde von unserem Reiseleiter Herrn Kim initiiert.
Vor unserem Auftritt haben wir miterlebt, dass einige Besucher wieder gehen mussten, da der Raum bereits überfüllt war. Die 288 Sitzplätze reichten bei weitem nicht aus. Hauptsächlich vor Schülerinnen und Schülern betraten wir dann voller Erwartung die gut gewärmte Bühne.
Kai´s Begrüßung auf Koreanisch wurde erneut mit großem Beifall quitiert. Unser Herr Kim fungierte beim Konzert als Moderator und Dolmetscher.
Höhepunkte des 1 1/2 stündigen Programms waren sicherlich „Verleih uns Frieden“ von Mendelssohn-Bartholdy, „The Ground“ von Ola Gjeilo und natürlich unser koreanischer „Gassenhauer“, bei dem die Zuhörer sofort dabei waren. Unsere Pianistin Rena begleitete uns nicht nur in gewohnt zuverlässiger Weise am Klavier, sondern glänzte auch mit 3 Soloeinlagen, die gut ankamen.
Sichtlich bewegt kam Landrat Seung-Keun Yoon aus Goseong sofort auf die Bühne um Kai Konrad für das gut gelungene Konzert zu beglückwünschen und sich bei ihm zu bedanken. Dieser wünschte sich noch ein gemeinsames Foto mit allen Sängerinnen und Sängern auf der Bühne.
Beim Verlassen des Gebäudes kam eine ältere Dame freudestrahlend auf uns zu und bedankte sich herzlich mit „gamsa-hamnida“ (Danke) und einer tiefen Verbeugung.
Diese Geste wird auch für uns immer selbstverständlicher und geht schon fast von allein.
Die Anspannung ließ merklich nach. Erleichtert stiegen alle pünktlich in den Bus, um ins Hotel zurück zu fahren und die lang ersehnte Pause zu genießen, bevor am Abend der Empfang des Landkreises anstand.
Wir waren für 18.30 Uhr geladen. Das Essen fand bei uns im Hotel im großen Ballsaal statt. Nach den Begrüßungsworten des Landrates Herrn Yoon und unseren Vorstand Herrn Klaus Stöcker begann ein richtig gutes Essen. Wir saßen zu 6. am Tisch und konnten es gar nicht glauben, dass wir ein Teil dieser Gesellschaft sein durften.
Herr Yoon brachte für alle Gäste ein kleines „G´schenkla“ des Landkreises (dieses Wort hat Herr Kim in den letzten Tagen in unserer Runde gelernt) mit.
Dieser Abend war ein krönender Abschluss des heutigen Tages. Wir gehen glücklich, satt und zufrieden ins Bett.
Nein, wir sitzen noch in „feuchtfröhlicher Runde“ und lassen die heutigen Eindrücke langsam sacken. Liebe Grüße aus Goseong.

 

Manuela Gimmel & Jörg Schmidt

19.05. Goseong

Do 19.05. Goseong

Der herrliche Sonnenaufgang und strahlend blauen Himmel über die Ostsee, ja ihr habt richtig gehört, auch in Korea gibt es eine Ostsee, kann der 5. Tag unserer beeindruckenden Reise beginnen. Nach dem Frühstück brechen wir auf um den Landrat, Herrn Yoon Seung-Keun vom Landkreis Goseong zu treffen.
Der Landkreis Goseong ist der Partnerlandkreis von Bayreuth. Voher machen wir aber noch einen Abstecher in eine vor 7 Jahren erbaute Produktionstätte für Wassergewinnung aus Tiefseewasser. Stolz zeigt uns der Geschäftsführer die Gewinnung von Trinkwasser, das aus einer Meerestiefe von über 600 m hochgepumpt, entsalzt und in selbst hergestellten PET-Flaschen abgefüllt wird. Tag für Tag werden so 3000 Kubikmeter Deep Sea Water höchster Qualität hergestellt. Sehr umweltschonend und nachhaltig, den aktuell wird nur an fünf Stellen auf der ganzen Welt mit diesem Verfahren Trinkwasser gewonnen.
Dann ging es endlich zum offiziellen Termin ins Landratamt nach Goseong. Und wieder wurden wir ,wie schon in Yeoncheon, mit einem riesigen Transparent mit der Aufschrift „Wir heißen den Gesangsverein Streitau herzlich willkommen“ über den Eingang vom Landratsamt empfangen.
Das ist einfach überwältigend, wie die Menschen hier ihre Gäste begrüßen. Der Goseonger Landrat führte uns hinauf in einen Konfernzsaal und brachte seine Freude über unseren Besuch mehrmals zum Ausdruck. Er berichtete über seinen Besuch letztes Jahr in Bayreuth,anlässlich der Einweihung der Goseong Platzes in Pegnitz. Er war von unsere Kultur, unserer Landschaft und von den Menschen sehr beeindruckt und wir hätten viele Gemeinsamkeiten.
Deshalb freue er sich, dass wir den weiten Weg auf uns genommen haben um auch sein Land und seine Kultur kennenzulernen. Unser Vorstand Klaus Stöcker überreichte die wie von unserem Kim so liebevoll genannten „Gschenkla“ in Form eines Vereinsbuches, einen Bierkrug und CD’s. Unser grünes Poloshirt, das Herrn Yoon Seung-Keun so sehr gefallen hat, wird nachgereicht. Denn wie immer haben wir das grüne Poloshirt mit der Aufschrift „Streitau meets Korea“ getragen.
Zum Schluß schenkte Herr Yoon Seung-Keun noch kleine Geldscheine für die drei mitgereisten Kinder und gab uns beste Grüsse an Herrn Hübner und Herrn Koschik mit auf den Weg.
Beim Mittagessen mit dem stellvertretenden Landrat Ji Seung-Tai erfuhr ich dass es im „Zonenrandgebiet“ nicht einfach ist, die jungen Menschen zu halten und Industrie anzusiedeln. Die jungen lockt ein besserer Verdienst in die Metropolen und auch die Industrie möchte sich nur ungern an der norkoreanischen Grenze niederlassen. Da können auch Fördergelder, die eher eine Entschädigung gleichen, nicht locken. Kennt ihr das irgend woher?
Nun ging es weiter auf Entdeckungstour. Wir fuhren durch eine herrliche Landschaft, die mich wirklich auch an unsere Heimat erinnerte. Eine Mischung aus Frankenwald, Fichtelgebirge und fränkischer Schweiz mit satten grünen Mischwäldern. Auf manchen Gipfeln Abhörstationen, die den Döbraberg oder dem Schneeberg ähneln und amerikanische Camps. Ja, wirklich Südkorea hat viele Paralellen zu unserer Heimat.
Unser nächster Stop war ein schön gelegener Sandstrand. Fast alle gingen barfuß und kühlten ihre dampfenden Füße im frischem Meer ab. Und während wir am Strand liefen, hörten wir in der Ferne schwere Übungsgeschosse auf dem Meer. War schon ein kommisches Gefühl.
Dann fuhren wir weiter zu einem der beiden offiziellen Grenzübergängen zwischen Nord- und Südkorea. Auf dem Weg dorthin durchfuhren wir Panzersperren, die im Bedarfsfall gesprengt werden können und uns sind immer wieder Militärfahrzeuge begegnet. Unser Bus hat eine Sondererlaubnis bekommen, um bis fast auf den Gipfel des Grenzposten zu fahren. Von dort oben hatten wir einen imposanten Ausblick auf die Grenzanlagen und auf die entmilitarisieren Zone.
Entmilitarisierte Zone ist gut, denn genau in diesem Gebiet ist die größte Anzahl von Militär überhaupt. Aber das Gefühl, dass es hier unsicher ist hatte ich nie. Ich fühle mich hier unheimlich wohl und sicher. Es blieb auch noch genug Zeit, damit alle noch ein Erinnerungfoto vom Aussichtpunkt machen konnten.  Anschließend besuchten wir noch das DMZ-Museum, in dem die Geschichte der Koreakriege und der Grenze dokumentiert ist. Und wieder eine Gemeisamkeit zu unserer Heimat. Genau, Mödlarreuth, vielen bekannt als Museum für die deutsche Ost-West-Teilung. Und man kann es kaum glauben, Mödlarreuth und das DMZ Südkorea pflegen partnerschaftliche Beziehungen. Es steht auch ein ehemaliger deutscher Grenzpfahl in diesem Museum.
Mittlerweile waren alle schon ziemlich kaputt und der Bus wurde während der Weiterfahrt zum Bayreuther Platz als Schlafgelegenheit genutzt. Von allen mit Spannung erwartet, kamen wir dort an. Eine parkähnliche Anlage mit einem rundem Denkmal und einer glänzenden Stahlkugel ist das Zeichen der Verbundenheit und Partnerschaft zwischen Goseong und Bayreuth. Selbstverständlich musste hier ein Gruppenfoto gemacht werden. Wer weiß, zu was man das noch alles gebrauchen kann?
Da wir noch vor den Abendessen ein wenig Zeit hatten, besuchten wir noch eine Tempelanlage. Ich kannte solche Tempel nur aus dem Fernseher und dass ich jetzt
in einem solchen Tempel drin bin, ist schon beeindruckend. Große goldene Buddas und betende Mönche, das sehe ich so schnell nicht mehr.
Nach dem Abendessen wollten manche noch in einen Stop an einem Supermarkt einlegen. Dies wurde selbstverständlich von Herrn Kim organisiert. Aber nur unter einer Bedingung. Niemand soll einen Geldautomaten benutzen!!!
So ging ein sehr ereignisreicher Tag zu ende und die meisten sitzen noch bei einem Bier oder Wein zusammen.

Andree Barth

18.05. Goseong

Mi 18.05. Goseong
Nach unserem inzwischen traditionellen Frühstück mit zwei Spiegeleiern over easy, 10 Pommes Frites, 2/8 Tomate mit etwas Kresse, einem muffingroßem nach Hefezopf
schmeckendem Brötchen und 50cl Kaffee wurde unser Deierschnacherzimmer aufgelöst. Dazu ist zu bemerken, dass der Ruf der Schnacher nicht der Wahrheit entspricht.
Meistens konnte man kaum etwas hören aber manchmal war es echt sinfonisch. Um 10:00 Uhr erwartete uns der Bus des Landkreises Goseong dem Partnerlandkreis von
Bayreuth. Wir verabschiedeten uns von dem jungen Beamten Kim mit dem Lied Laudate omnes gentes. Er hat unseren Aufenthalt im Landkreis Yeoncheon bestens organisiert.
Man hatte den Eindruck, dass gerade den Damen der Abschied schwer gefallen ist. Nun machten wir uns auf den Weg vom Gelben Meer an der Westküste quer durch Südkorea in das vier Stunden entfernte, an der Ostküste gelegene Goseong zum Ostmeer. In der ersten Stunde ging es über Stadtautobahnen mit Staus aber auch vorbei an freisch bepflanzten Reisfeldern oder Feldern, die gerade mit fremdartigen Maschinen mit Reis bepflanzt wurden. Zu bemerken sind auch die mit Folieüberzogen Treibhäuser für den Gemüseanbau. Auf der Autobahn fuhren wir dann durch ein sonnenbeschienenes, ganz mit Bäumen, meist Kiefern, bewachsenes, hügeliges Land. Durch viele Tunnels, Mautstellen und über viele Brücken erreichten wir um die Mittagszeiteinen Rastplatz für einen kurzen Stop.
Im herrlichsten T-shirt Wetter machten sich die Kreditkarteninhaber voll froher Erwartung auf die Suche nach einem Geldautomaten, da sie bisher an allen Geldautomaten erfolglos waren. Unserem Geburtstagskind Hermann Reichel fuhr der Schreck in die Glieder, da er zwar einen Beleg in der Hand hatte, den er nicht lesen konnte, aber kein Geld und scheinbar auch keine Karte mehr hatte. Die Aufregung war groß. Später stellte sich heraus, dass er die Karte unbewußt wieder im Geldbeutel verstaut hatte, ohne, dass es die Dabeistehenden bemerkten. Unser Busfahrer brachte uns in sportlicher Fahrt nach Goseong, wo wir in der Ferne, aus den Hgeln kommend das Ostmeer sehen konnten.Um 14:30 stoppten wir an einem Restaurant mit Kräutershop und wurden zu einem echt koreanischen vegetarischen Mittagessen eingeladen.
Unsere vier Vegetarier waren begeistert, die anderen mussten mit ins Gras beißen. Dazu kam, dass wir traditionell auf dem Fußboden, barfuß, Platz nehmen mussten, was unseren alten Knochen aber empfindlichen Nasen nicht so gut bekommen ist. Die sechs richtig ergrauten Häupter durften an einem Tisch Platz nehmen.
Erstaunlich ist, dass der Ruf nach einer Gabel immer kleiner wird. Entweder liegt es daran, dass man ich langsam an die Essstäbchen gewöhnt, oder wie ich mit dem Löffel ißt. Nach dem Essen mußten wir am Krankenhaus anhalten. Nicht, weil einem Fleischesser das Essen nicht bekommen ist, sondern weil die kleine Amely Husten und Fieber hatte. Nach kurzer Zeit kam Amely begeistert vom koreanischen Arzt mit beruhigten Eltern zurück. 16:15 Ankunft im Hotel und Zimmerverteilung.
Die Hotellobby so groß wie eine Bahnhofshalle und die Begeisterung ist riesengroß. Die meisten werden in einem Appartement mit zwei Schlafzimmern zwei Bädern und einem gemeinsamen Wohnbereich mit Küchenblock untergebracht. Jedoch hat nur ein Zimmer davon ein Doppelbett. Die anderen Beiden schlafen wieder nach echt koreanischer Art auf 4-5cm dicken Matratzen (kein Schaumstoff) auf dem Fußboden. Die Begeisterung hat nachgelassen.
Um 17:00 besichtigten wir das historische Dorf Wang-gog. Während der Erklärung des Dorfführers und der Übersetzung durch unseren Herrn Kim von der Hanns-Seitel-Stiftung war den Sängerinnen und Sängern die Mütigkeit deutlich anzumerken. Das Abendessen mit einem Topf Suppe in der Mitte, mit frischen Zutaten, die auf einem Gaskocher gegart wurden war wahrscheinlich für viele ein kulinarischer Höhepunkt.
Ich für meinen Teil habe von Suppe und frischem Gemüse bereits nach drei Tagen genug. Im kleinen Supermarkt im Keller des Hotels deckten wir uns dann noch
für den Abend mit ausreichend Bier ein, da nur Wasser auf die Dauer schädlich ist und das Gemüse irgendwie neutralisiert werden muß.

 

Text: Bernd Winter

17.05. Yeoncheon

Di 17.05.
Die Sonne begrüßt mich morgens gleich mit ihrem Lachen. Heute gilt`s! Wir haben heute in Yoencheon unser erstes Konzert .

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Unsere Hotelanlage „Herb Village“

Kim unser Dolmetscher hat gestern gesagt es werden 500 Zuhörer erwartet. War das der Grund das ich erst um 2:00 Uhr eingeschlafen bin?
Vor dem Frühstück nutze ich die Gelegenheit und schlendere durch die Parkanlage, die zu unserer Hotelanlage gehört. Fast ein bisschen wie im Paradies.
Umgeben von Lavendelfeldern.

webDSC_0171Ich kann eigentlich gar nicht fassen, was uns hier geboten wird. Um 10:00 Uhr erreichen wir mit dem Bus die Konzerthalle.
Aussen hängen riesige Plakate mit dem Hinweis auf uns “ Gesangverein Streitau 1862″.

webDSC_0195Dann betreten wir die Halle, ein riesiger Saal vor unseren Augen.
Ich zähle 20 Stuhlreihen im Parkett, und eine Empore gibt es natürlich auch. Herr Kim hat nicht zu viel versprochen, das sind über 500 Sitzplätze.Mal sehen ob die sich heute Abend wirklich füllen. Einsingen ist angesagt, schon nach den ersten Tönen hört man die tolle Akustik des Saales.
Ich bekomme Gänsehaut. Auf so einer Bühne zu singen, ich glaube es immer noch nicht. Der Gesangverein Streitau hier in „so einem Haus“ und ich bin ein Teil davon!
Beim Ansingen der Lieder gibt es noch ein paar Stellen die nicht so klappen wie unser Chorleiter das sich vorstellt.
Aber nach einigen Proben, ist er dann doch zufrieden. Nach dem Mittagessen (heute gab es Schnitzel) in unserer Hotelanlage und einer kurzen Pause,
erreichen wir um 14:45 Uhr, mit dem eigens vom Landratsamt abgestellten Bus, wieder das Konzerthaus. Die Anspannung steigt langsam. Kai fordert von uns
einen konzentrierten Auftritt u.die Leute müssen spüren das es euch Freude macht für sie zu singen . So können wir etwas von dem zurück zugeben,
dass wir hier in den ersten Tagen an Gastfreundlichkeit, Herzlichkeit erfahren haben.
Es werden noch einmal einige Lieder angesungen, die genaue Sitzordnung besprochen.
Eine viertel Stunde bevor es los geht bekommt Klaus, unser erster Vorsitzender endlich seinen verschollenen Koffer zurück. Gutes Timing, jetzt hat auch er seine Chorkleidung.
Kim hatte recht, der Saal ist wirklich voll. Es beginnt ein Jugendorchester aus Yeoncheon und Claudia singt mit ihnen „Lascia ch’io pianga“.
Wir sind dran. Kai begrüßt die Zuhörer auf koreanisch und erntet dafür gleich Applaus. Unser erstes Lied ebenfalls ein Koreanisches, löst gleich einen Beifallssturm aus. Wir haben die Zuhörer, auch der Landrat und eine Delegation vom Kreistag, auf unserer Seite. Nach eineinhalb Stunden ist es geschafft.

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Mit unserem zweiten Lied auf koreanisch beenden wir unseren Auftritt und erhalten „Standing Ovation“. Unfassbar was hier gerade passiert.
Das Jugendorchester und wir sind im Anschluss, vom Landrat zu einem Imbiss eingeladen. Imbiss? Die Turnhalle neben dem Konzertsaal wurde umfunktioniert und ein riesiges Büffet erwartet uns. Die Gastfreundlichkeit der Koreaner ist nicht zu beschreiben!
Ein unvergesslicher Tag für uns alle!

Text: Stefan Feulner

16.05. Yeoncheon

Im Schnarcherzimmer kann zwar einer ab 4.00 Morgens nicht mehr schlafen, hat aber das beruhigende Gefühl, dass sich über ihn später auch niemand beschweren wird.
Der Landrat des Landkreises Yeoncheon lädt uns nicht nur zum Abendessen, sondern auch zum Frühstück am nächsten Morgen ein. Was gibt es?
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Klar:
Spiegeleier mit Pommes und Ketchup, gebratenem Speck und ein Brötchenlein mit  Butter und Marmelade. Die Gastgeber springen über ihren Schatten. Als Extraservice wird ein kleiner Becher Kaffee serviert (seltsame Gewohnheiten haben diese Deutschen). Für Hartnäckige gibts auch Milch und Zucker.
Diese Gastfreundschaft müssen wir bei einem Gegenbesuch erst mal hinkriegen.
Im Landratsamt angekommen trifft alle erst einmal der Schlag: Nicht nur ein Riesentransparent prangt über der Eingangstür, auch die überdimensionale elektronische Laufschrift heißt uns dort toll animiert willkommen.
Die Begrüßung steht zunächst im Zeichen eines ganz wichtigen Aktes, dem Austausch von Visitenkarten. Vorsitzender, Chorleiter, Pianistin und weitere Funktionsträger bekommen eine und revanchieren sich genauso.
In der Aula des Landratsamtes heißt uns wieder ein Banner willkommen, flankiert durch die deutsche und koreanische Flagge.

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Während des Empfangs werden Tee und Gebäck serviert.
Sowohl vom Vorsitzenden der Vereins, als auch vom Landrat werden die Übereinstimmungen der Landkreise herausgestellt und es wird deutlich, dass die Gastgeber viel vom Landkreis Hof profitieren möchten: Für sie ist unser Konzert eines zur „Wiedervereinigung Koreas“.
Der Vorsitzende des Landkreises Yeoncheon lädt den Chor danach zu einem koreanischen Mittagessen mit viel Reis, scharfen Spezialitäten und koreanischem Bier ein.
Etliche Kreistagsmitglieder geben sich die Ehre, wir bekommen einen Grundkurs in Benutzung von Stäbchen und das Versprechen, dass sie alle beim Konzert dabei sein werden.

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Auch zu diesem Anlass werden verschiedene Gastgeschenke wie Schals, CDs, Handtücher und Bierkrüge überreicht, sowie Bücher mit Karikaturen eines Tenors des Chors, Alois Kuhn, von ihm selbst überreicht, derentwegen er in der DDR im Gefängnis war.
Schließlich bekommen wir buchstäblich die Trennung zwischen Nord- und Südkorea zu Gesicht.
Wir besuchen ein militärisches Observatorium, in der sog. DMZ (Demilitarisierte Zone), zwischen Yeoncheon und Nordkorea, die einzigartig in der Welt gleichzeitig die höchste Konzentration von Waffen in der Welt aufweist. Wir können weit nach Nordkorea schauen.

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Fast wäre dies, bis auf das Abendessen (auf Einladung des Landrats) und das erste 1stündige Ansingen am Abend, alles gewesen, wenn nicht schon wieder unser Vorsitzender, Klaus Stöcker, Opfer des Schicksals geworden wäre. Am Ankunftstag blieb (und bleibt) sein Koffer verschollen. Dann bittet er um Mithilfe nach der Suche seines verschwundenen Vereinssweatshirts: „Bitte bedenkt, dass es sich um 25% meiner Bekleidung handelt!“ Als er, zusammen mit anderen, mit einer Kreditkarte vergeblich Bargeld aus einem Geldautomaten ziehen will, bleibt seine als einzige drin.
Aber die Laune, und nicht nur beim Klaus, ist hervorragend!

Von Hermann Reichel

14.-15.05. Abreise und Ankunft

Sa 14.05. 10:00 Uhr Abfahrt von Streitau – Ankunft  So 15.05. Ankunft 17:00 Uhr in „Herb Village“ in Yeoncheon

Kai:
Es ist noch weit nicht 10 Uhr, aber die Versammlung vor dem neuen Vereinsheim ist schon groß. Mittendrin, Irene und Jürgen mit ihrer Drehorgel. Didi, der von unserem Chor angeforderte Busdriver, lächelt und begrüßt Kai mit einem herzlichen „Moing Maestro“, noch wohlwissend um unsere Konzertreise nach Verona im letzten Jahr.

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„Auf Wiederseh´n, bleibt nicht so lange fort“ klingt es aus 30 Sängerkehlen und nochmal aus so vielen, der nun zu Hause bleibenden Familienngehörigen.
Dann geht es los. Didi´s Hupe bläst einem Schiffshorn gleich ein langen Abschiedsgruß und wir sind unterwegs zum Nürnberger Flughafen.
Wir haben grüne Poloshirts  mit dem Slogan dieser Reise, „Streitau meets Korea“, und Sweatshirts mit Vereinslogo gesponsert bekommen, so sind wir auch im Trubel am Airport gut zu erkennen. Wir sind immerhin 39 Teilnehmer zwischen 4 und 84 Jahren, da kann schnell mal jemand verloren gehen.

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Um 13.45 Uhr hebt der Airbus A319 ab in Richtung Frankfurt, wo wir nach nur 35 Minuten wieder festen Boden unter die Füße bekommen. Das ist einigen ganz recht, sind sie noch nie geflogen:

Manu:
Vor dem Flug war ich sehr aufgeregt, wie es werden wird. Dass wir als Gruppe reisen gab mir Sicherheit. Im Flugzeug angekommen, fühlte ich mich gleich wohl.
Meine  Sitznachbarn kümmerten sich rührend um mich. Sie verwickelten mich in Gespräche und erklärten mir verschiedene Vorgänge.
Durchflogene Wolkenfelder fühlten sich an wie auf der Achterbahn. Da war es mir ganz schön flau im Magen. Jetzt ist wieder alles gut.

Sabine:
Fliegen? Okay! Für mich eine neue Erfahrung und dann gleich XXL-ca.10 Stunden Flug von Frankfurt nach Seuol. Na dann mal los nicht viel nachdenken, sondern einfach tun.
Nachdem alle Vorbereitungen lang- und kurzfristig getroffen, Koffer gepackt und alles für die Abwesenheit organisiert war, geht es nach einem kurzen Schlaf ( wegen latent afsteigendem Reisefieber),verabschiedet von Familie und Freunden(sogar mit Gesang und Drehorgel) los.
24 Stunden netto Reisezeit, inclusive Busfahrten und Zwischenaufenthalten plus 7 Stunden Zeitverschiebung. Ein Abenteuer!
Zu deutscher Zeit abreisen, in den Abend fliegen, nach gefühlten 2 Stunden nächtlicher Dunkelheit die Morgensonne wieder zu sehen und alle Systeme auf Tagbetrieb hochfahren. Aha so fühlt sich das an.
Es fällt leichter als ich mir das vorgestellt habe. Problemlos siegt, mit Hilfe des Tageslichtes,der Verstand und das Wachbewusstsein über das Ruhebedürfnis des Körpers.
Korea begrüßt uns mit reichlich Regen.Das stört aber  nicht so viel, denn unser Gastgeberland ist für alle Situationen gut gerüstet und verteilt Regenmäntel,
damit wir nach einer großzügigen Mahlzeit auch unser Quartier trocken erreichen können.
Die Unterkunft übertrifft allerdings meine Erwartungen. Alles aufs Feinste,  vom luxeröisen Ambiente bis zum beheizten Toilettensitz ist die asiatische Gastfreundschaft beispielhaft.
Duschen, umziehen, Abendessen, kurzer Plausch mit den Zimmergenossen und dann ab ins Bett, denn irgendwie bin ich doch etwas verdreht und leicht verpeilt.
Endlich wieder ein Bett. Gott sei Dank ausstrecken und Schlafen.
Morgen warten erste offizielle Termine und Besichtigungen. Ich bin sehr gespannt! Ach ja das Erlebnis Fliegen: Einfach Klasse  !!!
Mühelos abzuheben und die Welt von oben zu betrachten… leichte Turbulenzen zu spüren und sich doch sicher zu fühlen ist schon ein tolles Gefühl. Auch wenn das Sitzen am eng bemessenem Platz trotz aller Annehmlichkeiten nach 5 Stunden doch
mal unbequem wird. Aber das ist ja wohl jedem klar.;-)
Ich freue mich dabei zu sein, und bin gespannt auf weitere neue Eindrücke.

Kai:
Unsere Maschine parkt auf dem Vorfeld, so müssen wir mit dem Bus zum Terminal gebracht werden. Kaum dort angekommen, bemerkt unsere japanische Pianistin,
dass sie ihren Pass und ihr Flugticket im Flieger vergessen hat. Jetzt heißt es schnell handeln. Kai rennt zum Lufthansa Service Center, die Dame dort telefoniert herum und bekommt jemand aus der Maschine an die Strippe. Gott sei Dank, sie haben einen japanischen Pass gefunden. Jetzt wird ein Fahrradkurier auf die Reise zum Vorfeld geschickt. Wir hoffen natürlich, dass der unterwegs nicht zu viele Bekannte trifft und sich sputet, denn unser Flieger nach Seoul ist in 45 Minuten zum Einsteigen bereit. Wir warten und warten, und nach gut 30 Minuten bekommt Rena ihren Pass zurück. Nun aber sputen.

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Alle ist gut und wir steigen in den Airbus A380-800 der Lufthansa, der sich mit 30 minütiger Verspätung auf den Weg nach Südkorea macht. Im Gepäck den Gesangverein Streitau.
Viele können es noch gar nicht fassen, dass wir nun wirklich nach Südostasien fliegen, um dort 4-5 Konzerte zu geben. Und, es ist zwar alles gut organisiert, aber wir wissen nicht, was uns dort erwartet.

Essen im Flugzeug
Flugzeugessen auf dem Flug nach Korea

9h 45m später setzt der Riesenvogel auf südkoreanischem Boden auf. Müde bringen wir die Einreiseprozeduren hinter uns, da gibt´s schon wieder  eine Hiobsbotschaft, Julias Koffer ist von einem Spürhund als wohlriechend erkannt worden, sie muss zur Kontrolle und alles ausräumen.
Der Hund ist wohl auf Äpfel geschult, denn die finden die Zollbeamten und Julia darf wiefder zusammenpacken.
Draussen erwartet uns schon Herr Kim von der Hans Seidel Stiftung, der hier vor Ort alles gemanaged hat. Ein zweiter Herr Kim von der Kreisverwaltung Yeoncheon wird uns vorgestellt, der wiederum alles an unserem ersten Standort, Yeoncheon im Norden an der Grenze zu Nordkorea, organisiert hat.
Mit dem bereitstehenden Bus fahren wir 40 Minuten, bevor wir zum Mittagessen geladen sind.

Nach dem Essen nochmal 1 1/2 Stunden Fahrt und wir haben unser erstes Ziel erreicht. Yeoncheon, Herb Village, eine Oase aus Blumen und Kräutern. Leider ist im Momeent nicht allzuviel davon zu sehen, denn es regnet in Strömen. Aber Herr Kim hat uns morgen Sonnenschein versprochen.

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Nach der Zimmerverteilung sind wir zum Abendessen geladen.
Gemüsereis, eingepackt in einer Art Pfannkuchen aus Reis. Sehr lecker.
Klaus übergibt mit einer gebührenden Rede unsere Geschenke an Herrn Kim und Herrn Kim.
Beide sind nun ausgestattet mit unserem „Streitau meets Korea“ Poloshirt, was auch gleichzeitig die Aufnahme in unseren Verein bedeutet, wie Klaus bemerkt.
Um 22 Uhr sind hier die Schotten dicht, ist aber auch gut so, haben wir morgen früh um 10 Uhr den ersten Empfang auf dem Programm stehen.

STREITAU meets KOREA

Streitau-meets-Korea

Die Lieder dieser zwei Konzerte spiegeln das Programm wieder, welches für KOREA geplant ist. Karten können direkt vor den Chorproben von 19:15 – 19:30 Uhr erworben werden.
Während unserer Reise werden wir regelmäßig hier in unserem Blog über unsere Erlebnisse berichten.
Der bisher geplante Reiseverlauf ist HIER zu sehen.


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