28.05. – 29.05. Seoul – Streitau

Samstag:

Heute brechen wir endlich die Rückreise an! Nach dem Frühstück brauchte Willibald noch ein Geschenkla für seine Tochter. Also wurde noch schnell ein Tuch in einem Souvenirladen gekauft. Der Bus zum Flughafen wartet schon vor dem Hotel. Nach einer Weile sind alle Koffer im Bus verstaut. Wie üblich passte nicht alles Gepäck in den Stauraum. Einige mussten wieder auf den Sitzen untergebracht werden. Nun fuhren wir ungefähr eine Stunde zum Flughafen Inchion/Seoul.
Das Einchecken verlief ohne Probleme, außer Alex, die musste ihren ganzen Koffer ausräumen – natürlich haben sie nichts gefunden. Endlich starteten die Motoren vom Airbus A380-800 der Lufthansa. Und übrigens, die die es nicht wissen, in dieses Flugzeug passen ungefähr 500 Leute rein und es ist zweistöckig. Ich habe denn Eindruck, dass sich viele von uns auf zu Hause und ihre Freunde freuen. Nach ein paar Stunden Flug gab es etwas zu Essen und das beste für uns Kinder war, dass wir sehr viele Filmen auf den kleinen Bildschirmen ansahen konnten. Nun kamen wir nach ungefähr 10 Stunden auf deutschem Boden an! Dann mussten wir Abschied von unserer Pianistin Rena Jyoge nehmen. Wieder mussten wir durch die Kontrolle, und was denkt ihr, ist noch etwas passiert? Ja, Alex musste noch einmal ihren Koffer auspacken. Aber natürlich wurde wieder nichts gefunden. Meiner Mama wurde die Zahnpasta abgenommen, die im Handgepäck nicht ordnungsgemäß verpackt war.
So, jetzt sitze ich im Flughafen und schaue in müde und erschöpfte Gesichter. Ich denke, alle wollen nach Hause. Ein paar Minuten bevor wir in das Flugzeug nach Nürnberg einsteigen sollten, kam die Durchsage, dass der Flug nach Nürnberg warscheinlich ausfällt! Es hat nicht lange gedauert, da haben die Mitarbeiter am Terminal bekanntgegeben, dass das Flugzeug nach Nürnberg doch nicht starten wird. Das Lufthansateam informierte uns, dass wir die Koffer abholen sollen. Wir sind alle enttäuscht. Das Allerschlimmste aber kommt noch. Familie Weiß hat einen Anschlussflug in die Türkei gebucht und der Flieger geht um 3 Uhr. Die Lufthanse organisierte nach mehrfachen Nachfragen einen Bus, der nach Nürnberg fahren sollte. Familie Weiß nahm sich ein Taxi, um rechtzeitig in Nürnberg zu sein. Ehrlich gesagt, hat es für mich eine EWIGKEIT gedauert. Nun ist es 23.45 Uhr und jetzt sitze ich im Bus und schreibe den Bericht für euch. Mir hat es in Korea sehr gut gefallen. Ich würde euch noch gerne mehr erzählen, aber ich bin so hundemüde, dass mir die Augen zufallen.
Endlich in Nürnberg angekommen, wartet unser Busfahrer Didi, der uns wohlbehalten nach Streitau bringt. Es war echt klasse!

Text: Sarah Barth, 11 Jahre

27.05. Seoul

Freitag:

Zitat: „Da kann man richtig süchtig werden“, so die Worte von Elfi Reichel.
Eigentlich wollte sie erst gar nicht mitfahren: „Nach Korea, so weit? Na, da fahr ich nit mit.“ Dann hat sie sich doch entschlossen und meint jetzt: „Da kann man richtig süchtig werden. Es ist einfach unglaublich.“
Unglaublich war es wirklich. Ich habe schon mehr als 50 Konzertreisen als Sänger gemacht. Als musikalisch Verantwortlicher war das auch für mich, „die erste große Reise“. Einen solchen Empfang habe ich auch noch nicht erlebt. Das Organisatorische vor Ort war wirklich perfekt.
Der Emfpang am 2. Tag in Yeoncheon ist mit Worten gar nicht zu beschreiben. Mit welcher Freude und noch mehr Herz man uns begegnete war einmalig. Überall die Banner in der Stadt: „Wir heißen den Gesangverein Streitau herzlich willkommen in Yeoncheon.“ und „Friedenskonzert des Gesangverein Streitau am 17.05.2016.“
Unfassbar.
Ein offizieller Termin jagte den anderen. Einladungen, Ausflüge, Gespräche, die Tage waren kurz. Am 17.05. dann öffneten sich die Pforten des Konzerthauses „The Art House“ in Yeoncheon. Wow. Das verschlug einem schon ein wenig den Atem. Angesichts der riesigen Bühne mochte man an Konzerte Bayreuther oder der Berliner Philharmoniker denken, aber nicht an ein Konzert des Streitauer Gesangvereins, kurz schütteln, doch, wir werden hier singen. Ein tolles Gefühl für alle Sänger, in solch einem Rahmen singen zu dürfen!
Am Abend war es dann soweit. Unser 1. Konzert in Korea ging über die Bühne. Und wie…
Ein volles Haus bescherte uns „Standing Ovations“ und die bekam auch der Chor von mir. Über sich hinauswachsen, das haben wir letztes Jahr in Verona schon erlebt, ein tolles Konzert.
Unsere 2. Station Goseong war ein Pendant zu Yeoncheon. Herrn Landrat Yoon kannten wir ja schon von der Einweihung des Goseong-Platzes in Pegnitz. Wo wir ihn mit Arirang ein koreanisches Ständchen brachten. Unsere Grenzbesuche zu Nordkorea waren dann auch Tischgespräche bei den abendlichen Einladungen zum Essen. Das Konzert in Goseong war so gut besucht, dass ca. 100 Personen wieder den Heimweg antreten mussten. Ein überwältigendes Erlebnis für alle Sängerinnen und Sänger. Dann hieß es Abschied nehmen und über Andong reisten wir weiter nach Busan.
Plötzlich waren wir aus dem ruhigen, mit großartiger Natur ausgestatteten Norden in der pulsierenden Hafenstadt mit 5 Millionen Einwohnern. Die deutsche Honorarkonsulin Frau Kim hat hier alles organisiert. In der Dong-A Universität war unser drittes Konzert in Korea. Die Universität verfügt über einen noch interessanteren Konzertsaal als Yeoncheon. Mit überwältigender Akkustik und einem großen „Steinway“ ausgestattet, möchte ich auch den Ausspruch von Elfi aufnehmen: „Das kann süchtig machen.“
Es war für alle ein unbeschreibliches Konzerterlebnis bei der „Gesellschaft für Deutscheslied Korea“. Ich hatte ja das Glück, die Gesichter meiner Sänger noch vor mir zu sehen. Und die strahlten glücklich und sangen sich in die Herzen der Zuschauer.
Die Tochter der Konsulin meinte : „Es kam so eine Wärme und Freude von der Bühne ….“. Das ist es, weswegen man probt und feilt. Immer wieder wiederholt, bis es zu einem Gemeinsamen zusammenwächst. Und zusammengewachsen sind wir wieder ein Stück mehr. Und das Gefühl auf solchen Konzertbühnen singen zu dürfen, ist etwas, was einem niemand mehr nehmen kann. Und obendrein haben wir unseren koreanischen Zuhörern eine große Freude gemacht. Denn für ihr Gefühl ist es eine große Ehre, dass wir aus dem so fernen Europa nach Ostasien kamen, um für sie zu singen.

Text: Kai Konrad

 

26.05. Seoul

Donnerstag:

Ein Streitauer in Südkorea – oder „Was der Bauer nicht kennt, frißt er nicht.“

Diese Reise habe ich mit einem sehr mulmigen Gefühl angetreten. Was werde ich essen? In Seoul gelandet, bekommen wir unser erstes Essen in einer Autobahnnraststätte. Es gibt parniertes Schnitzel mit Soße, Reis und eingelegtem Gemüse. Ein Essen fast wie bei uns – denke ich mir. Abends im Hotel „Pfannkuchen mit Gemüsereis“, ist zwar kalt, aber doch sehr schmackhaft. Sollte ich mit meinen Erwartungen falsch gelegen haben?

Doch dann der zweite Tag: mittags in einem Restaurant. Knoblauchduft kommt mir entgegen, ich kann nicht atmen. Auf dem Tisch, viele kleine Schlüsselchen mit verschiedenen Gemüsen, Soßen und scharfen Würzpasten. Achja, zum Essen werden alle Gerichte gleichzeitig serviert – dies sollte man wissen, wenn man den Hauptgang (Braten) evtl. noch erwartet. Also zur Suppe, die wie schon erwähnt auf dem Tisch steht. Klare Brühe mit Algen, jedenfalls sah es für mich so aus. Ich kann es nicht essen.
Ich entscheide mich für den Topf Reis, der mit Hackfleisch und Salat vermischt ist. Algen und jede Menge Knoblauch könnten auch drin gewesen sein. Ich hab mir nichts vorzuwerfen – ich habs zumindest versucht.
Die Koreaner lieben den großzügigen Einsatz von Knoblauch, man riecht es auch bei meinen Mitreisenden. Was bei keinem koreanischen Essen fehlen darf ist Kimchi. Vergorener Chinakohl mit gemahlenem Chili, Knoblauch, Zwiebeln und fermentierten
Meeresfrüchten gewürzt. Man liebt ihn, oder man macht wie ich einen großen Bogen darum.
In den darauffolgenden Tagen haben wir noch mehr traditionelle Speisen kennengelernt. Oft haben wir Jeongol gegessen. So eine Art Eintopf, bestehend aus Fleisch, Meeresfrüchten, Pilzen und Gemüse. Dieses wird auf dem Tisch geköchelt. Dazu immer wieder für mich neue fremdartige Beilagen, die man untermischen kann. Ganz ehrlich, ich weiß oft nicht, was ich gerade esse.
Bei diesen traditionellen Essen sitzen wir in der Regel auf dem Boden, nur unsere älteren Teilnehmer erhalten hier Sonderrechte. Der Essensbereich darf nicht mit Schuhen betreten werden. Ob es hygienischer ist, barfuß am Tisch Platz zu nehmen? – Naja. Ich lasse mich im Schneidersitz nieder, doch nach kurzer Zeit schlafen mir die Füße ein. Ich versuche sie unter den Tisch zu strecken, doch mein Gegenüber auch. Nicht zu vergessen, es wird mit Stäbchen gegessen. Lustiges Schauspiel, ich kann es einfach nicht. Mir kommt die ganze Esserei eher einer Fastenkur gleich. Da lass ich mir lieber eine Gabel reichen.

Man sagt, dass im alten Korea Essen nicht nur zur Nahrungsaufnahme dient, sondern zugleich Medizin für Körper und Geist sein soll. Bestimmt haben die Koreaner recht. Und ich sage: der beste Koch ist der Hunger. Ich habe im Laufe unserer Reise so Einiges probiert und vieles hat mir geschmeckt.
Also der Bauer frißt doch – auch wenn er es nicht kennt – manchmal.
So und daheim will ich einen Sauerbraten.

Text: Brigitte Feulner

25.05. Seoul

Seoul = gesprochen Soul

Selfmade-Sightseeing – Soweit die Füße tragen –

Nachdem wir bei Dunkelheit am späten Abend des Vortages in Seoul angekommen sind und unsere Zimmer bezogen haben, machten wir uns erst einmal auf die Suche nach etwas Essbarem. Wir entschieden uns nach einer Woche koreanischem Essen für ein amerikanisches Lokal.
Bei einem kleinen Verdauungsspaziergang kamen wir an einem Platz, an dem eine Demonstration zur Wiedervereinigung Koreas abgehalten wurde. Der weitere Weg führte uns zu einem mysteriösen tempelartigen Eingang, der uns jedoch verwährt blieb.
So machten wir uns auf den Rückweg zu unserem Hotel. Hierbei konnten wir schon am ersten Tag hautnah miterleben, dass es nicht nur Sonnenseiten in Seoul gibt.

In unserer ersten Nacht im neuen Hotel konnten wir erstaunlich gut schlafen (ob das wohl an den bisherigen Anstrenungen der Konzertreise lag?) Zum Frühstück erwartete uns diesmal ein reichhaltigeres Buffet mit Salat, Obst, Cornflakes, Kaffee, den gewohnten Eiern und heute einmal mit Brötchen. Danach machten sich alle auf den Weg in ihre Zimmer, um die Noten für die anschließende Probe zu holen. Willi musste an der Rezeption einen Zwischenstop einlegen, um seine frisch gewaschene Wäsche zu holen. Im Aufzug machte er dann seinen Unmut luft, da dies nicht so einfach war: „Des Orschloch wollt mir meine Wäsch nimmer gem.“

Die erste Probe fand heute um 10 Uhr im Meetingroom des Hotels statt. Leider mussten wir feststellen, dass dieser viel zu klein war.  So verlegten wir die Probe in den Fitnessraum und probten so zwischen Laufbändern und Ergometern.
Jörg und Armin wollten sich in der Zwischenzeit nach einer anderen Alternative umschauen. Tatsächlich hatten sie Erfolg. Wir konnten in eine benachbarte Kirche mit Klavier ausweichen und probten dort zu Ende. Die Freude über einen gefunden Proberaum währte jedoch nicht lange. Wir bekamen die Nachricht, dass wir dort nicht ohne offizielle Genehmigung proben dürfen. Jetzt hieß es für uns die Augen aufzuhalten, um eine neue Räumlichkeit zu finden.

Den restlichen Tag hatten wir zur freien Verfügung, um Seoul zu entdecken. Unsere Tour begann aus reiner Neugierde an dem tempelartigen Eingang, der gestern für uns verschlossen blieb. Der Gyeongbokgung Palace ist einer der umfassendsten und prachtvollsten Paläste der Joseon-Dynastie (1392-1910). Eine magische Anziehungskraft ging von den Tempelbauten aus (wir wollten eigentlich keine mehr sehen) und ließ uns mit einer großen Menschenmenge hineinströmen. Nachdem der Eintritt wegen eines Kulturtages an diesen Tag frei war, war es für uns keine Frage, uns diese prächtigen Bauten anzusehen.
War es Zufall, dass wir dort hin gehen sollten? Nein, Zufälle gibt es nicht, wie wir feststellten. Auf einem Platz war eine Bühne aufgebaut, auf der sich gerade Musiker einspielten. Dieses Lied kam uns gleich bekannt vor – Arirang.
Nach vielen tollen Eindrücken trieb uns ein leichtes Hungergefühl auf die Suche nach einer geeigneten Lokalität. Dies gestaltete sich aber schwieriger als in Busan, wo sich an jeder Ecke eine Gelegenheit bot. Schließlich fanden wir um 14.15 Uhr einen koreanischen Italiener, der allerdings um 14.30 Uhr die Last Order aufgab. Hier hieß es also wieder Tempo beim Essen aufzunehmen, aber das waren wir ja schon gewohnt. Um 14.45 Uhr hatten wir dann die leckeren Pizzen verdrückt.

Unsere Tour ging weiter in die gegenüberliegende Seoul Anglican Cathedral. Unser eigentliches Ziel sollte der Namdaemun-Markt sein, welches wir nach dieser Besichtigung ansteuerten. Auf dem Weg dorthin kamen wir am Deoksugung Palace vorbei, der ideal für einen Spaziergang ist. Dort begegneten uns – durch Zufall? – im großem Seoul 2 Mädels aus dem Streitauer Gesangverein – Inge und Maria.

Nachdem wir gemütlich von kulturellen Paraden begleitet durch den Park geschlendert waren, fühlten wir uns bereit, eine Kaffepause einzulegen. Wir ließen uns im Dunkin & Donats nieder. Da unser Kaffee sehr heiß serviert wurde, nutzen wir die Gelegenheit, um Postkarten mit unseren Wisch-Kästla zu verschicken. Des Weiteren studierten wir unseren Stadtplan, wie wir zum Namdaemun-Markt gelangen. Für einen kleinen Moment kam hier wieder der Gedanke auf, dass wir ja eigentlich Ausschau nach einem geeigneten Proberaum halten wollten. Unsere „Freiheit“ und „Kulturgier“ lies uns das aber ganz vergessen. Wie wir unseren Kai kennen, wird dieser schon etwas finden. Wie sich später herausstellte, sollten wir damit Recht behalten.

Nach einem gefühlten Fußmarsch durch halb Seoul standen wir direkt vor dem Namdaemun-Markt. Geflashed von dem turbulenten Treiben und der Menge an Waren und Menschen an allen Ecken und Enden, war unser Staunen kaum zu überhören. Plötzlich kam eine uns bekannte Sprache aus dem Hintergrund: „Das ist noch gar nichts, gehen sie mal mit nach unten. Da kaufen die ganzen Koreaner ein, angeboten werden sämtliche Importwaren aus der ganzen Welt.“ Es stellte sich heraus, dass die Stimme einer Frau gehörte, die hier Deutschlehrerin ist. Sie begleitete uns nach unten und verabschiedete sich wieder und wünschte uns viel Spaß.
Es reihten sich tatsächlich hunderte von Ständen auf engstem Raum hintereinander. Man könnte meinen, ganz Seoul sei unterkellert. Das Angebot reichte von Pillen, Klamotten, Schmuck, Alkohol und Essen, bis hin zu einem Fischmarkt. Wir stellten dabei fest, dass wir anscheinend die einzigen Europäer im diesem Untergrund waren.

Auf dem Weg zu unserer nächsten Station, der Myeong-dong Cathedral, kamen wir an den unterschiedlichsten kulinarischen Straßenständen vorbei. Der beginnende Feierabend trieb nach unserem Empfinden alle Koreaner auf diese Straße, um ihre mobilen Geschäfte aufzubauen und die bereits hungrig wartenden Gäste zu sättigen. Hier hätte wirklich jeder etwas finden können. In der Cathedrale selber  konnten wir sogar noch einen Teil der Liturgie beiwohnen.

Jörg, unser Guide schwärmte uns von der Brücke Banpodaegyo vor, wo wir eine Rainbow Fountain Show erleben sollten. Dies hatte laut Karte den Anschein, dass sie diese am anderen Ende von Seoul liegt. Es stellte sich die Frage, ob wir diesen Fußmarsch noch schaffen würden. Schnell waren wir uns einig, dass wir es wagen wollten, mit der U-Bahn dorthin zu fahren. Gesagt, getan. Die Linie 3 war schnell gefunden und so mussten wir nur noch die Tickets lösen. Dies war wider erwarten, leichter als gedacht. Mit diesem Glücksgefühl stiegen wir in die Bahn ein und fuhren zur Banpodaegyo Brücke. Am Ausstieg war dann weder von einem Fluss noch von einer Brücke etwas zu sehen. Auch die Stadtkarte gab uns wenig Informationen, wohin wir gehen sollten. Glücklicherweise sind die Koreaner sehr hilfsbereit und wir bekamen Auskunft, dass wir die Straße hinunter laufen sollten, dann links abbiegen und „nur“ zwischen den Wohnblocks durch müssen, um dorthin zu gelangen. Der nette Koreaner wies uns darauf hin, dass die Show bis 21 Uhr gehe und fragte, ob wir zu Fuß gehen wollten. Hatte er eine Vorahnung, wie weit dieser erneute Fußmarsch sein würde? Wir jedenfalls ahnten es nicht.
Nach unzähligen Wohnblocks erreichten wir schließlich eine Brücke. Es kamen jedoch ernsthafte Zweifel auf, ob wir am richtigen Ort seien. Unser Guide macht uns immer wieder Mut, auf dem richtigen Weg zu sein. Und tatsächlich, er sollte Recht behalten. Die wundervolle Show entschädigte alle Strapazen.
In der bereits angebrochenen Dunkelheit machten wir uns auf den Rückweg zu unserem Hotel. Dieses lag aber, wie soll es anders sein, am anderen Ende von Seoul .
Der Gedanke, dass es beim Rückweg immer schneller geht, ließ uns schnell voran schreiten. Einzig allein unser Glückspilz Manuela konzentrierte sich noch nicht auf das Sitzen in der U-Bahn. Freudestrahlend hielt sie uns einen 50.000 Won-Schein vor die Nase, den sie unter einem Brückendurchgang gefunden hat. Dieses Glücksgefühl brachte uns anscheindend im Null-Komma-Nix zur U-Bahn-Station.
Mit Vorfreude auf nur wenige Meter Fußmarsch bis zum Hotel, bemerkten wir in der U-Bahn, dass wir hier in Seoul schon im 23. Jahrhundert angekommen sind. Jeder Koreaner in dieser U-Bahn (wirklich jeder) hat eine enge, anscheindend nicht zu trennende Verbindung zu seinem Wisch-Kästla. Die Müdigkeit lies uns Ausschau halten nach einer Sitzgelegenheit. Diese fand ich als erste. Am Ende des Abteils war doch tatsächlich ein Platz neben einem älteren Herren frei. Dieser nickte mir freundlich zu und fragte, woher ich denn komme. Die Antwort, dass wir aus Deutschland sind, erfreute ihn so sehr, dass wir ins Gespräch kamen. Er erzählte voller Stolz, dass er etwas Deutsch spreche. Nach einem kurzen Austausch über den Grund unseres Aufenthalts, ließ er das Lied „Am Brunnen vor dem Tore“ erklingen. Er liebe Deutsche Musik, vorallem Brahms – Zufall??? Natürlich durfte der mir bereits bekannte Visitenkartenaustausch nicht fehlen.
Nach dann insgesamt 10 Stunden und ca. 20 km Wegstrecke, gefüllt mit überwältigenden Eindrücken und Begegnungen, Kultur und hautnahem Erleben  des koreanischen Lebens – ist nun der Tag zu Ende gegangen und macht uns abermals glücklich, bei dieser Reise dabei sein zu dürfen.

Text: Alexandra Schmelz/Thiemo Sieß

24.05. Gyeongju – Seoul

Skandal – Buddhistische Mönche knacken Passwort

Di 24.05. Gyeongju – Seoul: Aber erstmal von vorne…

Der letzte Tag in Busan beginnt in mehrerer Hinsicht feucht-fröhlich… Das großartige Konzert von gestern muss selbstverständlich gebührend gefeiert werden und deshalb treffen wir uns in der Lobby des Hotels (was zu „Hilfe-die-Deutschen-verwüsten-unser-Hotel“-Gesichter der Angestellten führt) ummit maek.ju (Bier) und p`o.do.ju (Wein) auf den alten und den neuen Tag anzustoßen.

Am Morgen geht’s weiter – Augen auf und von oben begrüßen uns viele kleine Regentropfen. Macht nichts, wir sitzen heute eh viel im Bus (denken wir)- denn es geht heute weiter zu unserer letzten Station – Seoul. Bis wir aber dahin kommen, müssen wir feststellen, dass es noch ein ganz schön langer Tag wird.

Pünktlich um 9:00 Uhr geht es los. Unser VIP-Bus bringt uns mit den Worten „fasten your seatbells“ über den koreanischen Highway nach Gyeongju mit dem ersten Halt am „HaeDong Yonggung Temple“:

Ein rund 700 Jahre alter buddhistischer Tempel, welcher die Erleuchtung beim Hinaufsteigen der Stufen verspricht. Diese kommt tatsächlich spätestens dann,

wenn man nach dem Abstieg der 108 Stufen ganz unten ankommt und merkt, dass man ja den ganzen Weg wieder nach oben muss. Anscheinend funktioniert es aber wirklich – Alex kommt strahlend und voller Überzeugung zum Geldbrunnen und mit nur einem Versuch versenkt sie den Groschen im Gefäß, ganz zum Erstaunen von Jörg, der hat nämlich bei seinen Versuchen davor sein ganzes restliches Geld verzockt hat. Wir verlassen den Tempel, welcher übrigens einer der wichtigsten Orte für Fischer war und auch noch ist, um Sicherheit für ihre Familien zu erbeten, und machen uns auf den Weg zum nächsten Tempel des UNESCO Weltkulturerbes, dem „Bulguksa Temple“.

Die Truppe ist heute sehr sehr leise während der Busfahrt – waren alle wohl doch zu lange wach. Das soll sich aber ändern…

Angekommen stand Kai erschüttert vor dem heiligen Getränkeautomaten der Mönche und konnte es nicht fassen, was er da sah. Diese harmoniebedürftigen, bodenständigen, gläubigen Mönche sind nicht nur Meister in der Lehre der Selbstfindung, sie knacken auch Passwörter…

Opfer waren anscheinend diesmal wir. Das Passwort des Gesangsvereins für den internen Teil unserer Homepage prangte an dem Automaten in riesiger Schrift.

Da Buddhistische Mönche Konflikte meiden, haben wir keine Chance unser Recht einzuklagen und deshalb mache ich mich mit Manuela auf die Challenge alle

Buddhas in dem Park zu finden. Mit unserer Spürnase finden wir beiden die Tempel schnell – fünf Stück sind es, mal mit dem bekannten großen Glatzkopf, mal mit einem ganz dünnen oder vielen kleinen Buddhiniis. Die schöne, große, glänzende Glocke darf Manuela allerdings nicht schlagen und somit wurde ihr das Einzige verboten was ihr so richtig Spaß gemacht hätte.

Eines meiner Highlights war anschließend der traditionelle koreanische Markt. Gänge über Gänge, links, rechts, Fisch, Obst, traditionelle Speisen und Getränke,

wechselnde Gerüche von fischig bis scharf und salzig bis süß. Und ich habe es geschafft, meinen Vorsatz Hühnerfüße zu probieren, umgesetzt…check… wie es schmeckt? Ääääääh… weiter ging’s in den Tumuli Park zu den Königsgräbern, welche nach dem Stil ägyptischer Pyramiden erbaut wurden.

Letzter Punkt vor der langen Fahrt nach Seoul ist das Gyeongju National Museum.

Viele sind einfach kaputt von dem langen Tag und das Museum mit seinen vier Gebäuden wird im Eiltempo durchschritten, damit man sich wieder in den trockenen Bus (der inzwischen unser zweites Zuhause ist) einkuscheln kann.

Ab geht’s nach Seoul ins Hotel „Aventree“…. auch hier gibt’s eine wichtige Information – laut unseren Jüngsten an Bord, Amelie und Hannah, ist der längste Tunnel auf dem Highway 48 Sekunden und der kürzeste 5 Sekunden lang. Jetzt ist Dienstag genau 22.30 Uhr, das heißt wir landen in ca. 320.400 Sekunden in Nürnberg.

Viele Grüße aus Seoul von Eurem Gesangverein Streitau

Text: Julia Weiß