28.05. – 29.05. Seoul – Streitau

Samstag:

Heute brechen wir endlich die Rückreise an! Nach dem Frühstück brauchte Willibald noch ein Geschenkla für seine Tochter. Also wurde noch schnell ein Tuch in einem Souvenirladen gekauft. Der Bus zum Flughafen wartet schon vor dem Hotel. Nach einer Weile sind alle Koffer im Bus verstaut. Wie üblich passte nicht alles Gepäck in den Stauraum. Einige mussten wieder auf den Sitzen untergebracht werden. Nun fuhren wir ungefähr eine Stunde zum Flughafen Inchion/Seoul.
Das Einchecken verlief ohne Probleme, außer Alex, die musste ihren ganzen Koffer ausräumen – natürlich haben sie nichts gefunden. Endlich starteten die Motoren vom Airbus A380-800 der Lufthansa. Und übrigens, die die es nicht wissen, in dieses Flugzeug passen ungefähr 500 Leute rein und es ist zweistöckig. Ich habe denn Eindruck, dass sich viele von uns auf zu Hause und ihre Freunde freuen. Nach ein paar Stunden Flug gab es etwas zu Essen und das beste für uns Kinder war, dass wir sehr viele Filmen auf den kleinen Bildschirmen ansahen konnten. Nun kamen wir nach ungefähr 10 Stunden auf deutschem Boden an! Dann mussten wir Abschied von unserer Pianistin Rena Jyoge nehmen. Wieder mussten wir durch die Kontrolle, und was denkt ihr, ist noch etwas passiert? Ja, Alex musste noch einmal ihren Koffer auspacken. Aber natürlich wurde wieder nichts gefunden. Meiner Mama wurde die Zahnpasta abgenommen, die im Handgepäck nicht ordnungsgemäß verpackt war.
So, jetzt sitze ich im Flughafen und schaue in müde und erschöpfte Gesichter. Ich denke, alle wollen nach Hause. Ein paar Minuten bevor wir in das Flugzeug nach Nürnberg einsteigen sollten, kam die Durchsage, dass der Flug nach Nürnberg warscheinlich ausfällt! Es hat nicht lange gedauert, da haben die Mitarbeiter am Terminal bekanntgegeben, dass das Flugzeug nach Nürnberg doch nicht starten wird. Das Lufthansateam informierte uns, dass wir die Koffer abholen sollen. Wir sind alle enttäuscht. Das Allerschlimmste aber kommt noch. Familie Weiß hat einen Anschlussflug in die Türkei gebucht und der Flieger geht um 3 Uhr. Die Lufthanse organisierte nach mehrfachen Nachfragen einen Bus, der nach Nürnberg fahren sollte. Familie Weiß nahm sich ein Taxi, um rechtzeitig in Nürnberg zu sein. Ehrlich gesagt, hat es für mich eine EWIGKEIT gedauert. Nun ist es 23.45 Uhr und jetzt sitze ich im Bus und schreibe den Bericht für euch. Mir hat es in Korea sehr gut gefallen. Ich würde euch noch gerne mehr erzählen, aber ich bin so hundemüde, dass mir die Augen zufallen.
Endlich in Nürnberg angekommen, wartet unser Busfahrer Didi, der uns wohlbehalten nach Streitau bringt. Es war echt klasse!

Text: Sarah Barth, 11 Jahre

27.05. Seoul

Freitag:

Zitat: „Da kann man richtig süchtig werden“, so die Worte von Elfi Reichel.
Eigentlich wollte sie erst gar nicht mitfahren: „Nach Korea, so weit? Na, da fahr ich nit mit.“ Dann hat sie sich doch entschlossen und meint jetzt: „Da kann man richtig süchtig werden. Es ist einfach unglaublich.“
Unglaublich war es wirklich. Ich habe schon mehr als 50 Konzertreisen als Sänger gemacht. Als musikalisch Verantwortlicher war das auch für mich, „die erste große Reise“. Einen solchen Empfang habe ich auch noch nicht erlebt. Das Organisatorische vor Ort war wirklich perfekt.
Der Emfpang am 2. Tag in Yeoncheon ist mit Worten gar nicht zu beschreiben. Mit welcher Freude und noch mehr Herz man uns begegnete war einmalig. Überall die Banner in der Stadt: „Wir heißen den Gesangverein Streitau herzlich willkommen in Yeoncheon.“ und „Friedenskonzert des Gesangverein Streitau am 17.05.2016.“
Unfassbar.
Ein offizieller Termin jagte den anderen. Einladungen, Ausflüge, Gespräche, die Tage waren kurz. Am 17.05. dann öffneten sich die Pforten des Konzerthauses „The Art House“ in Yeoncheon. Wow. Das verschlug einem schon ein wenig den Atem. Angesichts der riesigen Bühne mochte man an Konzerte Bayreuther oder der Berliner Philharmoniker denken, aber nicht an ein Konzert des Streitauer Gesangvereins, kurz schütteln, doch, wir werden hier singen. Ein tolles Gefühl für alle Sänger, in solch einem Rahmen singen zu dürfen!
Am Abend war es dann soweit. Unser 1. Konzert in Korea ging über die Bühne. Und wie…
Ein volles Haus bescherte uns „Standing Ovations“ und die bekam auch der Chor von mir. Über sich hinauswachsen, das haben wir letztes Jahr in Verona schon erlebt, ein tolles Konzert.
Unsere 2. Station Goseong war ein Pendant zu Yeoncheon. Herrn Landrat Yoon kannten wir ja schon von der Einweihung des Goseong-Platzes in Pegnitz. Wo wir ihn mit Arirang ein koreanisches Ständchen brachten. Unsere Grenzbesuche zu Nordkorea waren dann auch Tischgespräche bei den abendlichen Einladungen zum Essen. Das Konzert in Goseong war so gut besucht, dass ca. 100 Personen wieder den Heimweg antreten mussten. Ein überwältigendes Erlebnis für alle Sängerinnen und Sänger. Dann hieß es Abschied nehmen und über Andong reisten wir weiter nach Busan.
Plötzlich waren wir aus dem ruhigen, mit großartiger Natur ausgestatteten Norden in der pulsierenden Hafenstadt mit 5 Millionen Einwohnern. Die deutsche Honorarkonsulin Frau Kim hat hier alles organisiert. In der Dong-A Universität war unser drittes Konzert in Korea. Die Universität verfügt über einen noch interessanteren Konzertsaal als Yeoncheon. Mit überwältigender Akkustik und einem großen „Steinway“ ausgestattet, möchte ich auch den Ausspruch von Elfi aufnehmen: „Das kann süchtig machen.“
Es war für alle ein unbeschreibliches Konzerterlebnis bei der „Gesellschaft für Deutscheslied Korea“. Ich hatte ja das Glück, die Gesichter meiner Sänger noch vor mir zu sehen. Und die strahlten glücklich und sangen sich in die Herzen der Zuschauer.
Die Tochter der Konsulin meinte : „Es kam so eine Wärme und Freude von der Bühne ….“. Das ist es, weswegen man probt und feilt. Immer wieder wiederholt, bis es zu einem Gemeinsamen zusammenwächst. Und zusammengewachsen sind wir wieder ein Stück mehr. Und das Gefühl auf solchen Konzertbühnen singen zu dürfen, ist etwas, was einem niemand mehr nehmen kann. Und obendrein haben wir unseren koreanischen Zuhörern eine große Freude gemacht. Denn für ihr Gefühl ist es eine große Ehre, dass wir aus dem so fernen Europa nach Ostasien kamen, um für sie zu singen.

Text: Kai Konrad

 

26.05. Seoul

Donnerstag:

Ein Streitauer in Südkorea – oder „Was der Bauer nicht kennt, frißt er nicht.“

Diese Reise habe ich mit einem sehr mulmigen Gefühl angetreten. Was werde ich essen? In Seoul gelandet, bekommen wir unser erstes Essen in einer Autobahnnraststätte. Es gibt parniertes Schnitzel mit Soße, Reis und eingelegtem Gemüse. Ein Essen fast wie bei uns – denke ich mir. Abends im Hotel „Pfannkuchen mit Gemüsereis“, ist zwar kalt, aber doch sehr schmackhaft. Sollte ich mit meinen Erwartungen falsch gelegen haben?

Doch dann der zweite Tag: mittags in einem Restaurant. Knoblauchduft kommt mir entgegen, ich kann nicht atmen. Auf dem Tisch, viele kleine Schlüsselchen mit verschiedenen Gemüsen, Soßen und scharfen Würzpasten. Achja, zum Essen werden alle Gerichte gleichzeitig serviert – dies sollte man wissen, wenn man den Hauptgang (Braten) evtl. noch erwartet. Also zur Suppe, die wie schon erwähnt auf dem Tisch steht. Klare Brühe mit Algen, jedenfalls sah es für mich so aus. Ich kann es nicht essen.
Ich entscheide mich für den Topf Reis, der mit Hackfleisch und Salat vermischt ist. Algen und jede Menge Knoblauch könnten auch drin gewesen sein. Ich hab mir nichts vorzuwerfen – ich habs zumindest versucht.
Die Koreaner lieben den großzügigen Einsatz von Knoblauch, man riecht es auch bei meinen Mitreisenden. Was bei keinem koreanischen Essen fehlen darf ist Kimchi. Vergorener Chinakohl mit gemahlenem Chili, Knoblauch, Zwiebeln und fermentierten
Meeresfrüchten gewürzt. Man liebt ihn, oder man macht wie ich einen großen Bogen darum.
In den darauffolgenden Tagen haben wir noch mehr traditionelle Speisen kennengelernt. Oft haben wir Jeongol gegessen. So eine Art Eintopf, bestehend aus Fleisch, Meeresfrüchten, Pilzen und Gemüse. Dieses wird auf dem Tisch geköchelt. Dazu immer wieder für mich neue fremdartige Beilagen, die man untermischen kann. Ganz ehrlich, ich weiß oft nicht, was ich gerade esse.
Bei diesen traditionellen Essen sitzen wir in der Regel auf dem Boden, nur unsere älteren Teilnehmer erhalten hier Sonderrechte. Der Essensbereich darf nicht mit Schuhen betreten werden. Ob es hygienischer ist, barfuß am Tisch Platz zu nehmen? – Naja. Ich lasse mich im Schneidersitz nieder, doch nach kurzer Zeit schlafen mir die Füße ein. Ich versuche sie unter den Tisch zu strecken, doch mein Gegenüber auch. Nicht zu vergessen, es wird mit Stäbchen gegessen. Lustiges Schauspiel, ich kann es einfach nicht. Mir kommt die ganze Esserei eher einer Fastenkur gleich. Da lass ich mir lieber eine Gabel reichen.

Man sagt, dass im alten Korea Essen nicht nur zur Nahrungsaufnahme dient, sondern zugleich Medizin für Körper und Geist sein soll. Bestimmt haben die Koreaner recht. Und ich sage: der beste Koch ist der Hunger. Ich habe im Laufe unserer Reise so Einiges probiert und vieles hat mir geschmeckt.
Also der Bauer frißt doch – auch wenn er es nicht kennt – manchmal.
So und daheim will ich einen Sauerbraten.

Text: Brigitte Feulner

25.05. Seoul

Seoul = gesprochen Soul

Selfmade-Sightseeing – Soweit die Füße tragen –

Nachdem wir bei Dunkelheit am späten Abend des Vortages in Seoul angekommen sind und unsere Zimmer bezogen haben, machten wir uns erst einmal auf die Suche nach etwas Essbarem. Wir entschieden uns nach einer Woche koreanischem Essen für ein amerikanisches Lokal.
Bei einem kleinen Verdauungsspaziergang kamen wir an einem Platz, an dem eine Demonstration zur Wiedervereinigung Koreas abgehalten wurde. Der weitere Weg führte uns zu einem mysteriösen tempelartigen Eingang, der uns jedoch verwährt blieb.
So machten wir uns auf den Rückweg zu unserem Hotel. Hierbei konnten wir schon am ersten Tag hautnah miterleben, dass es nicht nur Sonnenseiten in Seoul gibt.

In unserer ersten Nacht im neuen Hotel konnten wir erstaunlich gut schlafen (ob das wohl an den bisherigen Anstrenungen der Konzertreise lag?) Zum Frühstück erwartete uns diesmal ein reichhaltigeres Buffet mit Salat, Obst, Cornflakes, Kaffee, den gewohnten Eiern und heute einmal mit Brötchen. Danach machten sich alle auf den Weg in ihre Zimmer, um die Noten für die anschließende Probe zu holen. Willi musste an der Rezeption einen Zwischenstop einlegen, um seine frisch gewaschene Wäsche zu holen. Im Aufzug machte er dann seinen Unmut luft, da dies nicht so einfach war: „Des Orschloch wollt mir meine Wäsch nimmer gem.“

Die erste Probe fand heute um 10 Uhr im Meetingroom des Hotels statt. Leider mussten wir feststellen, dass dieser viel zu klein war.  So verlegten wir die Probe in den Fitnessraum und probten so zwischen Laufbändern und Ergometern.
Jörg und Armin wollten sich in der Zwischenzeit nach einer anderen Alternative umschauen. Tatsächlich hatten sie Erfolg. Wir konnten in eine benachbarte Kirche mit Klavier ausweichen und probten dort zu Ende. Die Freude über einen gefunden Proberaum währte jedoch nicht lange. Wir bekamen die Nachricht, dass wir dort nicht ohne offizielle Genehmigung proben dürfen. Jetzt hieß es für uns die Augen aufzuhalten, um eine neue Räumlichkeit zu finden.

Den restlichen Tag hatten wir zur freien Verfügung, um Seoul zu entdecken. Unsere Tour begann aus reiner Neugierde an dem tempelartigen Eingang, der gestern für uns verschlossen blieb. Der Gyeongbokgung Palace ist einer der umfassendsten und prachtvollsten Paläste der Joseon-Dynastie (1392-1910). Eine magische Anziehungskraft ging von den Tempelbauten aus (wir wollten eigentlich keine mehr sehen) und ließ uns mit einer großen Menschenmenge hineinströmen. Nachdem der Eintritt wegen eines Kulturtages an diesen Tag frei war, war es für uns keine Frage, uns diese prächtigen Bauten anzusehen.
War es Zufall, dass wir dort hin gehen sollten? Nein, Zufälle gibt es nicht, wie wir feststellten. Auf einem Platz war eine Bühne aufgebaut, auf der sich gerade Musiker einspielten. Dieses Lied kam uns gleich bekannt vor – Arirang.
Nach vielen tollen Eindrücken trieb uns ein leichtes Hungergefühl auf die Suche nach einer geeigneten Lokalität. Dies gestaltete sich aber schwieriger als in Busan, wo sich an jeder Ecke eine Gelegenheit bot. Schließlich fanden wir um 14.15 Uhr einen koreanischen Italiener, der allerdings um 14.30 Uhr die Last Order aufgab. Hier hieß es also wieder Tempo beim Essen aufzunehmen, aber das waren wir ja schon gewohnt. Um 14.45 Uhr hatten wir dann die leckeren Pizzen verdrückt.

Unsere Tour ging weiter in die gegenüberliegende Seoul Anglican Cathedral. Unser eigentliches Ziel sollte der Namdaemun-Markt sein, welches wir nach dieser Besichtigung ansteuerten. Auf dem Weg dorthin kamen wir am Deoksugung Palace vorbei, der ideal für einen Spaziergang ist. Dort begegneten uns – durch Zufall? – im großem Seoul 2 Mädels aus dem Streitauer Gesangverein – Inge und Maria.

Nachdem wir gemütlich von kulturellen Paraden begleitet durch den Park geschlendert waren, fühlten wir uns bereit, eine Kaffepause einzulegen. Wir ließen uns im Dunkin & Donats nieder. Da unser Kaffee sehr heiß serviert wurde, nutzen wir die Gelegenheit, um Postkarten mit unseren Wisch-Kästla zu verschicken. Des Weiteren studierten wir unseren Stadtplan, wie wir zum Namdaemun-Markt gelangen. Für einen kleinen Moment kam hier wieder der Gedanke auf, dass wir ja eigentlich Ausschau nach einem geeigneten Proberaum halten wollten. Unsere „Freiheit“ und „Kulturgier“ lies uns das aber ganz vergessen. Wie wir unseren Kai kennen, wird dieser schon etwas finden. Wie sich später herausstellte, sollten wir damit Recht behalten.

Nach einem gefühlten Fußmarsch durch halb Seoul standen wir direkt vor dem Namdaemun-Markt. Geflashed von dem turbulenten Treiben und der Menge an Waren und Menschen an allen Ecken und Enden, war unser Staunen kaum zu überhören. Plötzlich kam eine uns bekannte Sprache aus dem Hintergrund: „Das ist noch gar nichts, gehen sie mal mit nach unten. Da kaufen die ganzen Koreaner ein, angeboten werden sämtliche Importwaren aus der ganzen Welt.“ Es stellte sich heraus, dass die Stimme einer Frau gehörte, die hier Deutschlehrerin ist. Sie begleitete uns nach unten und verabschiedete sich wieder und wünschte uns viel Spaß.
Es reihten sich tatsächlich hunderte von Ständen auf engstem Raum hintereinander. Man könnte meinen, ganz Seoul sei unterkellert. Das Angebot reichte von Pillen, Klamotten, Schmuck, Alkohol und Essen, bis hin zu einem Fischmarkt. Wir stellten dabei fest, dass wir anscheinend die einzigen Europäer im diesem Untergrund waren.

Auf dem Weg zu unserer nächsten Station, der Myeong-dong Cathedral, kamen wir an den unterschiedlichsten kulinarischen Straßenständen vorbei. Der beginnende Feierabend trieb nach unserem Empfinden alle Koreaner auf diese Straße, um ihre mobilen Geschäfte aufzubauen und die bereits hungrig wartenden Gäste zu sättigen. Hier hätte wirklich jeder etwas finden können. In der Cathedrale selber  konnten wir sogar noch einen Teil der Liturgie beiwohnen.

Jörg, unser Guide schwärmte uns von der Brücke Banpodaegyo vor, wo wir eine Rainbow Fountain Show erleben sollten. Dies hatte laut Karte den Anschein, dass sie diese am anderen Ende von Seoul liegt. Es stellte sich die Frage, ob wir diesen Fußmarsch noch schaffen würden. Schnell waren wir uns einig, dass wir es wagen wollten, mit der U-Bahn dorthin zu fahren. Gesagt, getan. Die Linie 3 war schnell gefunden und so mussten wir nur noch die Tickets lösen. Dies war wider erwarten, leichter als gedacht. Mit diesem Glücksgefühl stiegen wir in die Bahn ein und fuhren zur Banpodaegyo Brücke. Am Ausstieg war dann weder von einem Fluss noch von einer Brücke etwas zu sehen. Auch die Stadtkarte gab uns wenig Informationen, wohin wir gehen sollten. Glücklicherweise sind die Koreaner sehr hilfsbereit und wir bekamen Auskunft, dass wir die Straße hinunter laufen sollten, dann links abbiegen und „nur“ zwischen den Wohnblocks durch müssen, um dorthin zu gelangen. Der nette Koreaner wies uns darauf hin, dass die Show bis 21 Uhr gehe und fragte, ob wir zu Fuß gehen wollten. Hatte er eine Vorahnung, wie weit dieser erneute Fußmarsch sein würde? Wir jedenfalls ahnten es nicht.
Nach unzähligen Wohnblocks erreichten wir schließlich eine Brücke. Es kamen jedoch ernsthafte Zweifel auf, ob wir am richtigen Ort seien. Unser Guide macht uns immer wieder Mut, auf dem richtigen Weg zu sein. Und tatsächlich, er sollte Recht behalten. Die wundervolle Show entschädigte alle Strapazen.
In der bereits angebrochenen Dunkelheit machten wir uns auf den Rückweg zu unserem Hotel. Dieses lag aber, wie soll es anders sein, am anderen Ende von Seoul .
Der Gedanke, dass es beim Rückweg immer schneller geht, ließ uns schnell voran schreiten. Einzig allein unser Glückspilz Manuela konzentrierte sich noch nicht auf das Sitzen in der U-Bahn. Freudestrahlend hielt sie uns einen 50.000 Won-Schein vor die Nase, den sie unter einem Brückendurchgang gefunden hat. Dieses Glücksgefühl brachte uns anscheindend im Null-Komma-Nix zur U-Bahn-Station.
Mit Vorfreude auf nur wenige Meter Fußmarsch bis zum Hotel, bemerkten wir in der U-Bahn, dass wir hier in Seoul schon im 23. Jahrhundert angekommen sind. Jeder Koreaner in dieser U-Bahn (wirklich jeder) hat eine enge, anscheindend nicht zu trennende Verbindung zu seinem Wisch-Kästla. Die Müdigkeit lies uns Ausschau halten nach einer Sitzgelegenheit. Diese fand ich als erste. Am Ende des Abteils war doch tatsächlich ein Platz neben einem älteren Herren frei. Dieser nickte mir freundlich zu und fragte, woher ich denn komme. Die Antwort, dass wir aus Deutschland sind, erfreute ihn so sehr, dass wir ins Gespräch kamen. Er erzählte voller Stolz, dass er etwas Deutsch spreche. Nach einem kurzen Austausch über den Grund unseres Aufenthalts, ließ er das Lied „Am Brunnen vor dem Tore“ erklingen. Er liebe Deutsche Musik, vorallem Brahms – Zufall??? Natürlich durfte der mir bereits bekannte Visitenkartenaustausch nicht fehlen.
Nach dann insgesamt 10 Stunden und ca. 20 km Wegstrecke, gefüllt mit überwältigenden Eindrücken und Begegnungen, Kultur und hautnahem Erleben  des koreanischen Lebens – ist nun der Tag zu Ende gegangen und macht uns abermals glücklich, bei dieser Reise dabei sein zu dürfen.

Text: Alexandra Schmelz/Thiemo Sieß

24.05. Gyeongju – Seoul

Skandal – Buddhistische Mönche knacken Passwort

Di 24.05. Gyeongju – Seoul: Aber erstmal von vorne…

Der letzte Tag in Busan beginnt in mehrerer Hinsicht feucht-fröhlich… Das großartige Konzert von gestern muss selbstverständlich gebührend gefeiert werden und deshalb treffen wir uns in der Lobby des Hotels (was zu „Hilfe-die-Deutschen-verwüsten-unser-Hotel“-Gesichter der Angestellten führt) ummit maek.ju (Bier) und p`o.do.ju (Wein) auf den alten und den neuen Tag anzustoßen.

Am Morgen geht’s weiter – Augen auf und von oben begrüßen uns viele kleine Regentropfen. Macht nichts, wir sitzen heute eh viel im Bus (denken wir)- denn es geht heute weiter zu unserer letzten Station – Seoul. Bis wir aber dahin kommen, müssen wir feststellen, dass es noch ein ganz schön langer Tag wird.

Pünktlich um 9:00 Uhr geht es los. Unser VIP-Bus bringt uns mit den Worten „fasten your seatbells“ über den koreanischen Highway nach Gyeongju mit dem ersten Halt am „HaeDong Yonggung Temple“:

Ein rund 700 Jahre alter buddhistischer Tempel, welcher die Erleuchtung beim Hinaufsteigen der Stufen verspricht. Diese kommt tatsächlich spätestens dann,

wenn man nach dem Abstieg der 108 Stufen ganz unten ankommt und merkt, dass man ja den ganzen Weg wieder nach oben muss. Anscheinend funktioniert es aber wirklich – Alex kommt strahlend und voller Überzeugung zum Geldbrunnen und mit nur einem Versuch versenkt sie den Groschen im Gefäß, ganz zum Erstaunen von Jörg, der hat nämlich bei seinen Versuchen davor sein ganzes restliches Geld verzockt hat. Wir verlassen den Tempel, welcher übrigens einer der wichtigsten Orte für Fischer war und auch noch ist, um Sicherheit für ihre Familien zu erbeten, und machen uns auf den Weg zum nächsten Tempel des UNESCO Weltkulturerbes, dem „Bulguksa Temple“.

Die Truppe ist heute sehr sehr leise während der Busfahrt – waren alle wohl doch zu lange wach. Das soll sich aber ändern…

Angekommen stand Kai erschüttert vor dem heiligen Getränkeautomaten der Mönche und konnte es nicht fassen, was er da sah. Diese harmoniebedürftigen, bodenständigen, gläubigen Mönche sind nicht nur Meister in der Lehre der Selbstfindung, sie knacken auch Passwörter…

Opfer waren anscheinend diesmal wir. Das Passwort des Gesangsvereins für den internen Teil unserer Homepage prangte an dem Automaten in riesiger Schrift.

Da Buddhistische Mönche Konflikte meiden, haben wir keine Chance unser Recht einzuklagen und deshalb mache ich mich mit Manuela auf die Challenge alle

Buddhas in dem Park zu finden. Mit unserer Spürnase finden wir beiden die Tempel schnell – fünf Stück sind es, mal mit dem bekannten großen Glatzkopf, mal mit einem ganz dünnen oder vielen kleinen Buddhiniis. Die schöne, große, glänzende Glocke darf Manuela allerdings nicht schlagen und somit wurde ihr das Einzige verboten was ihr so richtig Spaß gemacht hätte.

Eines meiner Highlights war anschließend der traditionelle koreanische Markt. Gänge über Gänge, links, rechts, Fisch, Obst, traditionelle Speisen und Getränke,

wechselnde Gerüche von fischig bis scharf und salzig bis süß. Und ich habe es geschafft, meinen Vorsatz Hühnerfüße zu probieren, umgesetzt…check… wie es schmeckt? Ääääääh… weiter ging’s in den Tumuli Park zu den Königsgräbern, welche nach dem Stil ägyptischer Pyramiden erbaut wurden.

Letzter Punkt vor der langen Fahrt nach Seoul ist das Gyeongju National Museum.

Viele sind einfach kaputt von dem langen Tag und das Museum mit seinen vier Gebäuden wird im Eiltempo durchschritten, damit man sich wieder in den trockenen Bus (der inzwischen unser zweites Zuhause ist) einkuscheln kann.

Ab geht’s nach Seoul ins Hotel „Aventree“…. auch hier gibt’s eine wichtige Information – laut unseren Jüngsten an Bord, Amelie und Hannah, ist der längste Tunnel auf dem Highway 48 Sekunden und der kürzeste 5 Sekunden lang. Jetzt ist Dienstag genau 22.30 Uhr, das heißt wir landen in ca. 320.400 Sekunden in Nürnberg.

Viele Grüße aus Seoul von Eurem Gesangverein Streitau

Text: Julia Weiß

23.05. Busan

Mo 23.05. Busan:

Endlich, heute nach neun Tagen vergeblicher Versuche haben unsere Geldjäger eine Bank gefunden, auf der sie Bares abheben konnten. Juhu, endlich Cash! Die DKB-Bank warb in Deutschland damit, dass man überall auf der Welt an den Bankautomaten Geld abheben könne, doch nach unzähligen missglückten Versuchen an unterschiedlichsten koreanischen Bankautomaten bzw. auch direkt an den Schaltern verschiedener Banken in Auseinandersetzung mit den Bankangestellten, sowie Telefonate nach Deutschland halfen auch nichts: Angeblich wäre es ein technisches Problem in Korea. Nur durch anschließendes Nachforschen im Internet bekamen wir endlich eine Bank in der Nähe heraus, an der per Visacard Geld abgehoben werden konnte. Ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Visacard nur an ausgewählten Bankautomaten funktioniert, auf der Homepage der DKB wäre sinnvoll gewesen und hätte uns viel Zeit und vor allen Dingen Nerven erspart.

Nach einem ausgiebigen Frühstück ging es um 10 Uhr in das Deutsche Konsulat, wo uns Frau Honorarkonsulin Jung-Soon Kim empfing. Im 5. Stock bekamen wir einen Raum zum Proben zugewiesen.

Um 12 Uhr fuhren wir wieder zurück ins Hotel, um uns dort nach einer kurzen Verschnaufpause auf das abendliche Konzert vorzubereiten. Der Bus kam

pünktlich um 14 Uhr, um uns in den Konzertsaal der Dong-A University zur Stellprobe und zum Einsingen zu bringen. Wir waren von dem Saal total überwältigt. Auch hier war die Akustik, wie schon in Yeoncheon phänomenal.

Nach ca. 2 Stunden war unser Chorleiter Kai mit allem zufrieden. Anschließend folgten wir der Einladung der Konsulin Jung-Soon Kim zum Abendessen in ein Restaurant. Ein ganzes Huhn brodelte in der Reissuppe und natürlich gab es wieder die traditionellen Beilagen – eingelegt in aromatische Sauce.

Auf der Rückfahrt verteilte (Niko-)Klaus koreanische Bonbons. Nun aber rein in die Konzerthalle und fertig machen für den Auftritt um 19.30 Uhr. Am heutigen Abend begleiteten uns musikalisch zusätzlich zwei koreanische Sänger und zwei Pianisten. Zum Abschluss wurde das Lied „Geuriun Geumgangsan“ gemeinsam gesungen. Das Konzert war ein voller Erfolg! Im Foyer wurden wir anschließend von begeisterten Koreanern gefeiert und es kam zu einem regen Austausch. Facebook-Accounts wurden miteinander verbunden und Webseitenadressen aufgeschrieben. Auch hier klickten die Fotoapparate um die Wette.

Von Kai bekamen wir ein großes Lob – und das will was heißen!

Text: Heidi Leßner

22.05. Busan

Busan

So 22.05. Busan: Als Kai uns am Sonntag Abend in den – laut Guinessbuch der Rekorde – größten Departement Store der Welt „ShinSeGae“ entlässt, ermahnt er uns daran zu denken, dass wir morgen ca. 6 Stunden Proben und ein Konzert vor uns haben, und schließlich hat die Zeit in Busan uns bisher enorm körperlich und geistig herausgefordert.

Nach dem Einchecken ins Hotel, O-Ton Elfi: „14. Stock? „Do schau ich net naus!“, ging’s durch die von Menschen und Garküchen brodelnden Straßen durch ein Meer von Lichtern und Gerüchen. Wo sind wir? Las Vegas? New York?

Am Sonntag lässt uns die Honorarkonsulin Jung-soon Kim ihre schöne Stadt von 4 Studentinnen zeigen.

Erster Halt ist der YongDuSan Park (Drachenberg, er soll die Feinde vom Meer abschrecken). Der Busan-Tower (138m) ermöglichte uns einen Panoramablick über die 5 Millionenstadt, Hafen und Meer.

Am Tag des Tanzes üben hier verschiedene, bunte Folkloregruppen (Männer-, Soldaten-, Taek-Won-Do-, Meditationsgruppen) für den Abend. Ein Kranich, überlebensgroß, aus prachtvoll weißen Federn kommt uns entgegengerollt, Papierkraniche begleiteten ihn. Tänze von besonderer Grazie werden aufgeführt. Dies alles lässt sich mit Worten kaum beschreiben und berührt uns sehr.

Auf zum nächsten Ziel schraubt sich der Bus die Busan Harbor Bridge hoch, Elfi: „Der Rundumblick ist fantastisch!“, zum einzigen UN-Soldatenfriedhof

der Welt, der an die gefallenen Soldaten der 23 Nationen vom Koreakrieg von 1950-1953 erinnert.

Diese Gedenkstätte gebietet Ehrfurcht und Demut vor den Verstorbenen und bittet um Frieden für die Lebenden.

Doch auch danach wird uns noch einiges geboten. Die 7,2 km lange Diamantenbrücke (die „Golden Gate Bridge Koreas“) führt uns zum APEC-Gebäude, in dem 2005 die Asienkonferenz stattfand, wahlweise machten einige von uns einen kurzen Strandspaziergang zum Entspannen.

Die Kunstausstellung BEXCO („Art Busan“), von der Lufthansa unterstützt, zeigte Exponate von Künstlern aus der ganzen Welt. Eine breit gefächerte Palette verschiedenster Stile der Malerei, Fotografie, Animation, Graphik, Bildhauerei & deren Mischformen war hier zu finden. Außergewöhnlich!

Der Bummel durch das „ShineSeGae“ Kaufhaus war der krönende Abschluss des Tages. Unser herzlichster Dank gilt unserer Förderin, Frau Kim Jung-soon für dieses Geschenk.

Text: Gundl Krafft, Elfi Reichel, Inge Herold, Maria Wöhrle

21.05. Gosong – Andong – Busan

Sa 21.05. Gosong – Andong – Busan
Heute ist Halbzeit. Wir sind neun Stunden im Bus unterwegs, ca. 500 km Luftlinie von Goseong im Norden bis nach Busan im Süden der südkoreanischen Halbinsel.
Eine Gelegenheit etwas zur Ruhe zu kommen und zu resümieren.
„Ihr vertretet Deutschland in Korea“. Mit diesen gewichtigen Worten hatte uns MdB Hartmut Koschyk auf diese Reise eingestimmt. Mittlerweile haben wir erlebt, wie sehr dies zutrifft. Unsere bisherigen Gastgeber waren sehr bewegt davon, dass wir aus dem ehemaligen innerdeutschen Grenzland kommen. Wir verkörpern für sie die Vision eines wiedervereinigten Landes. Freie Bürger aus dem ehemaligen Ost- und Westdeutschland singen zusammen in einem Chor. Dazu bringen wir die Wertschätzung unseren Gastgebern gegenüber zum Ausdruck durch zwei sehr beliebte koreanische Volkslieder. Tief berührt davon, sagte der Landrat von Goseong gestern am Ende des Festbanketts: „Wir haben jetzt eine besondere Beziehung zueinander“ – für einen Koreaner ein Ausdruck verbindlicher Freundschaft.
Hoffentlich werden die Landräte Hermann Hübner und Dr. Oliver Bär, deren Grüße wir überbrachten, eine angemessene Form finden dies weiter zu führen!
Wir dagegen waren betroffen von dem, was wir im DMZ-Museum zu sehen bekamen. Die Gräben zwischen Süd- und Nordkorea sind viel tiefer als bei uns damals.
Der Landrat von Yeoncheon, Yoon Seung-Keun, hatte uns erzählt, er sei mit sechs Jahren aus Nordkorea über die Grenze gekommen. Was aus seinen Eltern und seiner Familie geworden ist, wisse er nicht. Ob sie noch leben? Uns wurde bewusst, wie sehr sich Nordkorea abgeschottet hat. Selbst die Grenze auf der anderen Seite nach China wird immer unüberwindbarer. Bei uns gab es zu DDR-Zeiten wenigstens Besuche und Kontakte, wie zu unserem Partnerchor in Hohenleuben.
Bei diesen Eindrücken erinnern wir uns an eine Station im DMZ-Museum. Dort hatten wir – Jung und Alt – gern das Angebot wahrgenommen, Papierblüten mit Friedenswünschen zu beschriften. Tausende waren bereits in dicken Trauben an Gitterwänden und Bäumen befestigt. Eine gute Gelegenheit unser Mitgefühl mit unseren koreanischen Freunden auszudrücken. Mögen diese Wünsche in Erfüllung gehen!
Unsere Fahrt entlang der südkoreanischen Ostküste gab uns einen Einblick in reizvolle Landschaften: bewaldete mittelgebirgsähnliche Hügel, in den Tälern endlose Reisfelder.
Nachdem sich unterwegs der Hunger wieder meldete, versuchte unser Kassierer Thiemo die Möglichkeit eines schnellen Mittagessens auszuloten. In frankonian English klang das dann so: „It´s better we are going to a snackbar – lunchmäßig!“ Jedenfalls bekam er die Information, die er brauchte.
Unsere Mittagspause fand im malerischen Dorf Hahoe in Andong statt. Wir besichtigten das 600 Jahre alte Dorf, das rundherum von einem Fluss umgeben ist.
Hier wird die konfuzianische Kultur erhalten. Sichtbar ist das vor allem an den gut erhaltenen traditionellen Gebäuden. Nicht umsonst gehört Hahoe zum Unesco Weltkulturerbe.
Auf der Weiterfahrt fiel uns auf, welche Extreme in Südkorea aufeinander treffen: Städte mit eher traditioneller Bauweise, die gut in die koreanische Landschaft passen. Dann wieder Großstädte mit eintönigen Betonhochhäusern. Dies spiegelt auch die Spannung wider, in der sich die koreanische Gesellschaft befindet: zwischen traditionellen Werten und dem Worldwideweb-Zeitalter. Wir bekamen das zu spüren, als wir Postkarten in Goseong kaufen wollten. Es gab keine. Hier wird per Email oder Whatsapp kommuniziert.
Der erste Blick auf Busan, die zweitgrößte Stadt Koreas, verstärkt diesen Eindruck. Die fünf Millionen Metropole grüßt uns von weitem – mit den Hochhäusern hässlicher Trabantenstädte in einer wunderschönen Landschaft und Verkehrsstaus.

 

20.05. Goseong

Fr 20.05. Goseong
Heute Nachmittag fand unser zweites Konzert in Korea statt.
Um 5.30 schienen sich die ersten Gäste des Hauses ihr Frühstück zu machen. Es war ein Geschnatter und Geklapper zu hören. Zum Glück waren die Vorhänge zugezogen, so war es im Zimmer noch dunkel und wir konnten weiter schlafen.
Um 7. 30 Uhr hieß es doch raus aus dem Bett und ab ins Bad. Die Abfahrt des Busses war für 8.30 Uhr geplant.
Alle stiegen gut gelaunt und motiviert in den Bus. Wir konnten heute mit nur 2 Minuten Verspätung losfahren- wir werden immer besser.
Am Kulturhaus des Landratsamtes Goseong angekommen, mussten wir uns auf einen völlig anderen Raum einstellen. Während der erste Saal in Yeoncheon  groß und mit einer hervorragenden Akustik ausgestattet war, fanden wir nun einen eher seichten Raum mit einer sehr trockenen Akustik vor. Unser Chorleiter Kai Konrad schwor uns intensiv auf diese Bedingungen ein. Permament erklangen Kommandos wie „Linie“, „Vokaaaale lang ziehen“ und „binden, binden, binden“.
Nach 1 1/2 Stunden fuhren wir für eine kurze Umziehpause ins Hotel zurück.
Der Bus sollte um 12.15 Uhr abfahren, jedoch fehlte unser Senior Hans. Nach 10 minütiger Verspätung empfingen wir ihn mit dem Lied:“ Heut kommt der Hans zu mir“.
Dies wurde von unserem Reiseleiter Herrn Kim initiiert.
Vor unserem Auftritt haben wir miterlebt, dass einige Besucher wieder gehen mussten, da der Raum bereits überfüllt war. Die 288 Sitzplätze reichten bei weitem nicht aus. Hauptsächlich vor Schülerinnen und Schülern betraten wir dann voller Erwartung die gut gewärmte Bühne.
Kai´s Begrüßung auf Koreanisch wurde erneut mit großem Beifall quitiert. Unser Herr Kim fungierte beim Konzert als Moderator und Dolmetscher.
Höhepunkte des 1 1/2 stündigen Programms waren sicherlich „Verleih uns Frieden“ von Mendelssohn-Bartholdy, „The Ground“ von Ola Gjeilo und natürlich unser koreanischer „Gassenhauer“, bei dem die Zuhörer sofort dabei waren. Unsere Pianistin Rena begleitete uns nicht nur in gewohnt zuverlässiger Weise am Klavier, sondern glänzte auch mit 3 Soloeinlagen, die gut ankamen.
Sichtlich bewegt kam Landrat Seung-Keun Yoon aus Goseong sofort auf die Bühne um Kai Konrad für das gut gelungene Konzert zu beglückwünschen und sich bei ihm zu bedanken. Dieser wünschte sich noch ein gemeinsames Foto mit allen Sängerinnen und Sängern auf der Bühne.
Beim Verlassen des Gebäudes kam eine ältere Dame freudestrahlend auf uns zu und bedankte sich herzlich mit „gamsa-hamnida“ (Danke) und einer tiefen Verbeugung.
Diese Geste wird auch für uns immer selbstverständlicher und geht schon fast von allein.
Die Anspannung ließ merklich nach. Erleichtert stiegen alle pünktlich in den Bus, um ins Hotel zurück zu fahren und die lang ersehnte Pause zu genießen, bevor am Abend der Empfang des Landkreises anstand.
Wir waren für 18.30 Uhr geladen. Das Essen fand bei uns im Hotel im großen Ballsaal statt. Nach den Begrüßungsworten des Landrates Herrn Yoon und unseren Vorstand Herrn Klaus Stöcker begann ein richtig gutes Essen. Wir saßen zu 6. am Tisch und konnten es gar nicht glauben, dass wir ein Teil dieser Gesellschaft sein durften.
Herr Yoon brachte für alle Gäste ein kleines „G´schenkla“ des Landkreises (dieses Wort hat Herr Kim in den letzten Tagen in unserer Runde gelernt) mit.
Dieser Abend war ein krönender Abschluss des heutigen Tages. Wir gehen glücklich, satt und zufrieden ins Bett.
Nein, wir sitzen noch in „feuchtfröhlicher Runde“ und lassen die heutigen Eindrücke langsam sacken. Liebe Grüße aus Goseong.

 

Manuela Gimmel & Jörg Schmidt

19.05. Goseong

Do 19.05. Goseong

Der herrliche Sonnenaufgang und strahlend blauen Himmel über die Ostsee, ja ihr habt richtig gehört, auch in Korea gibt es eine Ostsee, kann der 5. Tag unserer beeindruckenden Reise beginnen. Nach dem Frühstück brechen wir auf um den Landrat, Herrn Yoon Seung-Keun vom Landkreis Goseong zu treffen.
Der Landkreis Goseong ist der Partnerlandkreis von Bayreuth. Voher machen wir aber noch einen Abstecher in eine vor 7 Jahren erbaute Produktionstätte für Wassergewinnung aus Tiefseewasser. Stolz zeigt uns der Geschäftsführer die Gewinnung von Trinkwasser, das aus einer Meerestiefe von über 600 m hochgepumpt, entsalzt und in selbst hergestellten PET-Flaschen abgefüllt wird. Tag für Tag werden so 3000 Kubikmeter Deep Sea Water höchster Qualität hergestellt. Sehr umweltschonend und nachhaltig, den aktuell wird nur an fünf Stellen auf der ganzen Welt mit diesem Verfahren Trinkwasser gewonnen.
Dann ging es endlich zum offiziellen Termin ins Landratamt nach Goseong. Und wieder wurden wir ,wie schon in Yeoncheon, mit einem riesigen Transparent mit der Aufschrift „Wir heißen den Gesangsverein Streitau herzlich willkommen“ über den Eingang vom Landratsamt empfangen.
Das ist einfach überwältigend, wie die Menschen hier ihre Gäste begrüßen. Der Goseonger Landrat führte uns hinauf in einen Konfernzsaal und brachte seine Freude über unseren Besuch mehrmals zum Ausdruck. Er berichtete über seinen Besuch letztes Jahr in Bayreuth,anlässlich der Einweihung der Goseong Platzes in Pegnitz. Er war von unsere Kultur, unserer Landschaft und von den Menschen sehr beeindruckt und wir hätten viele Gemeinsamkeiten.
Deshalb freue er sich, dass wir den weiten Weg auf uns genommen haben um auch sein Land und seine Kultur kennenzulernen. Unser Vorstand Klaus Stöcker überreichte die wie von unserem Kim so liebevoll genannten „Gschenkla“ in Form eines Vereinsbuches, einen Bierkrug und CD’s. Unser grünes Poloshirt, das Herrn Yoon Seung-Keun so sehr gefallen hat, wird nachgereicht. Denn wie immer haben wir das grüne Poloshirt mit der Aufschrift „Streitau meets Korea“ getragen.
Zum Schluß schenkte Herr Yoon Seung-Keun noch kleine Geldscheine für die drei mitgereisten Kinder und gab uns beste Grüsse an Herrn Hübner und Herrn Koschik mit auf den Weg.
Beim Mittagessen mit dem stellvertretenden Landrat Ji Seung-Tai erfuhr ich dass es im „Zonenrandgebiet“ nicht einfach ist, die jungen Menschen zu halten und Industrie anzusiedeln. Die jungen lockt ein besserer Verdienst in die Metropolen und auch die Industrie möchte sich nur ungern an der norkoreanischen Grenze niederlassen. Da können auch Fördergelder, die eher eine Entschädigung gleichen, nicht locken. Kennt ihr das irgend woher?
Nun ging es weiter auf Entdeckungstour. Wir fuhren durch eine herrliche Landschaft, die mich wirklich auch an unsere Heimat erinnerte. Eine Mischung aus Frankenwald, Fichtelgebirge und fränkischer Schweiz mit satten grünen Mischwäldern. Auf manchen Gipfeln Abhörstationen, die den Döbraberg oder dem Schneeberg ähneln und amerikanische Camps. Ja, wirklich Südkorea hat viele Paralellen zu unserer Heimat.
Unser nächster Stop war ein schön gelegener Sandstrand. Fast alle gingen barfuß und kühlten ihre dampfenden Füße im frischem Meer ab. Und während wir am Strand liefen, hörten wir in der Ferne schwere Übungsgeschosse auf dem Meer. War schon ein kommisches Gefühl.
Dann fuhren wir weiter zu einem der beiden offiziellen Grenzübergängen zwischen Nord- und Südkorea. Auf dem Weg dorthin durchfuhren wir Panzersperren, die im Bedarfsfall gesprengt werden können und uns sind immer wieder Militärfahrzeuge begegnet. Unser Bus hat eine Sondererlaubnis bekommen, um bis fast auf den Gipfel des Grenzposten zu fahren. Von dort oben hatten wir einen imposanten Ausblick auf die Grenzanlagen und auf die entmilitarisieren Zone.
Entmilitarisierte Zone ist gut, denn genau in diesem Gebiet ist die größte Anzahl von Militär überhaupt. Aber das Gefühl, dass es hier unsicher ist hatte ich nie. Ich fühle mich hier unheimlich wohl und sicher. Es blieb auch noch genug Zeit, damit alle noch ein Erinnerungfoto vom Aussichtpunkt machen konnten.  Anschließend besuchten wir noch das DMZ-Museum, in dem die Geschichte der Koreakriege und der Grenze dokumentiert ist. Und wieder eine Gemeisamkeit zu unserer Heimat. Genau, Mödlarreuth, vielen bekannt als Museum für die deutsche Ost-West-Teilung. Und man kann es kaum glauben, Mödlarreuth und das DMZ Südkorea pflegen partnerschaftliche Beziehungen. Es steht auch ein ehemaliger deutscher Grenzpfahl in diesem Museum.
Mittlerweile waren alle schon ziemlich kaputt und der Bus wurde während der Weiterfahrt zum Bayreuther Platz als Schlafgelegenheit genutzt. Von allen mit Spannung erwartet, kamen wir dort an. Eine parkähnliche Anlage mit einem rundem Denkmal und einer glänzenden Stahlkugel ist das Zeichen der Verbundenheit und Partnerschaft zwischen Goseong und Bayreuth. Selbstverständlich musste hier ein Gruppenfoto gemacht werden. Wer weiß, zu was man das noch alles gebrauchen kann?
Da wir noch vor den Abendessen ein wenig Zeit hatten, besuchten wir noch eine Tempelanlage. Ich kannte solche Tempel nur aus dem Fernseher und dass ich jetzt
in einem solchen Tempel drin bin, ist schon beeindruckend. Große goldene Buddas und betende Mönche, das sehe ich so schnell nicht mehr.
Nach dem Abendessen wollten manche noch in einen Stop an einem Supermarkt einlegen. Dies wurde selbstverständlich von Herrn Kim organisiert. Aber nur unter einer Bedingung. Niemand soll einen Geldautomaten benutzen!!!
So ging ein sehr ereignisreicher Tag zu ende und die meisten sitzen noch bei einem Bier oder Wein zusammen.

Andree Barth